Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Ahnenforschung

Hans Nisse Schmidt - im 17. Jahrhundert Mitglied im Sylter Rat

Eine besondere Bedeutung bei der Organisation des gesellschaftlichen Zusammenlebens hatte auf Sylt der Rat, der aus 12 gewählten Mitgliedern bestand und bis zum 19. Jahrhundert insbesondere die Aufgaben der Rechtsprechung übernahm. Der Landvogt hatte in diesem Punkt nur bei kleineren Vergehen das Recht, alleine zu entscheiden. Dreimal im Jahr wurde die Bevölkerung zur Thing-Versammlung eingeladen. Die Versammlungen im Frühjahr und Herbst dienten als Gerichtstage und der Sommer-Thing zur Festlegung von Terminen für die Ernte. Da jede Klage behandelt wurde, konnten Gerichts-„Tage“ auch mal eine Woche lang dauern. Urteile wurden von den Ratsmitgliedern auf der Grundlage des Nordstrander Landrechts gefällt und konnten für einen Verurteilten auch in der Todesstrafe bestehen. Allerdings gab es wohl nur zwei Fälle, in denen ein Todesurteil verhängt wurde, 1611 wegen Hexerei und 1760 wegen Mordes.

 

Die Ratsmitglieder wurden von den einzelnen Orten der Insel gewählt, dabei durfte im 17. Jahrhundert z.B. Morsum als größte Gemeinde vier Mitglieder stellen, Tinnum, Archsum und Keitum je zwei und Westerland sowie die Norddörfer je einen. In den frühen Jahren erfolgte die Wahl für ein Jahr, ab dem 18. Jahrhundert verlängerte sich die Bestellung und konnte bis auf Lebenszeit gehen. Im Falle der Familie Frödden fungierten gar mehrere Generationen nacheinander als Mitglieder des Rates. Die Ratsversammlungen wurden bis 1713 im Haus des Landvogtes Taken abgehalten. In dieser Zeit diente der für die übergeordnete Verwaltung der Region verantwortliche Amtmann aus Tondern als Protokollführer der Versammlungen.

 

1683 wurde zusammen mit Hauleke Petersen für Tinnum Hans Nisse Schmidt gewählt. Er war ein Sohn von Niß Schmitt und wurde im Februar 1648 in Tinnum geboren, wo er am 08.01.1725 mit knapp 77 Jahren verstarb. Hans Nisse Schmidt war mit Ellin Tham Petersen verheiratet (1657 bis 05.06.1730), einer Tochter von Tam Peters und hatte zwei Töchter: Kressen Hansen (15.10.1684 bis 1745) und Inge Hans Schmidt, geboren am 24.06.1686 in Tinnum und dort verstorben am 14.10.1746. Inge Hans heiratete Teide Andresen aus Tinnum (24.06.1686 bis 14.10.1746). Die Familie hatte drei Töchter und zwei Söhne im Zeitraum von 1712 bis 1728. Die älteste Tochter Maren Teides (05.10.1712 bis 26.08.1789) heiratete Erck Bleicken.

Hans Nisse Schmidt ist ein direkter Vorfahre in 11. Generation.


Jürgen Kaack 10.07.2017, 09.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Strand von Westerland mit Villa Baur-Breitenfeld um 1894


Villa Baur-Breitenfeld am Westerländer Strand von Norden aus auf einem kolorierten Holzschnitt von 1894, nicht koloriert aus dem Wochenmagazin "Ueber Land und Meer". Das heute bekanntere Hotel Miramar wurde 1903 errichtet und ist daher auf dem Holzschnitt noch nicht enthalten. Von 1903 bis 1919 haben beide Bauten die Seeseite dominiert.

Georg Baur von Breitenfeld hatte 1880/1881 nördlich vom späteren Strandübergang Strandstraße als Zweitwohnsitz die Villa Baur-Breitenfeld errichtet, die mit ihren 32 Zimmern über einige Jahre zu den größten Häuser in Westerland gehörte und 1919 wegen Baufälligkeit nach heftigen Stürmen und Schäden am Fundament  abgerissen wurde. Am 31.10.1887 heiratete er meine Ur-Großtante Elise Charlotte Nicolen Janssen (21.09.1857 bis 25.02.1918), deren Vater Lorenz Nicolai Ludwig Janssen (21.09.1828 bis 06.03.1918) zu diesem Zeitpunkt noch als Zollcontrolleur das Nebenzollamt und die Steuerkasse Sylt leitete, er lebte nur ein paar Straße weiter in Paulstraße 2, wo sich Elise und Georg kennengelernt haben. Bei dem ersten Besuch war auch Baron August Baur von Breitenfeld, der Vater von Georg dabei. Am 14.10.1879 heiratete er Elises ältere Schwester Margaretha Maria Janssen (11.02.1854 bis 24.07.1930). Im dem Gebäude lebten Elise und Georg Baur von Breitenfeld während der Saison, zusätzlich nahmen sie auch Feriengäste auf, vielleicht betrieben sie es auch als Hotel. Das Haus war nach damaligem Standard technisch modern ausgestattet mit einem eigenen Maschinenhaus auf dem Grundstück, in dem eine Dampfmaschine zur Stromerzeugung betrieben wurde. Mit einem Windrad wurde die Wasserpumpe angetrieben.

Um 1900 erhielt das Haus eine der ersten privaten Telefonanschlüsse auf der Insel. Damals war Georg aber schon zehn Jahre tot und Elise bewohnte die Villa alleine. Georg führte 1884 eine Auseinandersetzung mit der Gemeinde Westerland, die von ihm höhere Kommunalsteuern auf sein Vermögen forderte. Georg wollte dies im Hinblick auf das mit Bayern bestehende Doppelbesteuerungsabkommen anfechten, blieb aber erfolglos, da das Doppelbesteuerungsabkommen nur die Staatssteuern regelt. In den Jahren 1901 und 1902 gab es nach dem Tod von Georg Baur von Breitenfeld 1890 eine Auseinandersetzung der Wittwe vor dem Landgericht in Flensburg über die Herausgabe eines Grundstücks. 1909 führte die Baronin Elise Beschwerde vor dem Bezirksausschuss in Schleswig gegen die Gemeinde Westerland wegen Straßenbaukosten an der Dünenstraße.

Jürgen Kaack 09.07.2017, 14.41 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Auswanderer von Sylt nach Amerika

Sylt war im 19. Jahrhundert ein klassisches Zuwanderungsgebiet. Nachdem Westerland 1855 zum Nordseebad erhoben wurde und die ersten Touristen auf die Insel kamen, brauchte man Hotels, neue Gebäude, Strandeinrichtungen und man brauchte Arbeitskräfte. Auf dem damals armen Festland auf der deutschen und der heute dänischen Seite gab es diese Arbeitskräfte. Außer landwirtschaftlichen und handwerklichen Betätigungen boten sich damals kaum Möglichkeiten. Insbesondere Zimmerleute und andere Handwerker fanden auf der Insel Arbeit. Auf diesem Wege kamen meine Vorfahren aus den Zweigen der Wachsmuth und Carstensen im Zeitraum von 1835 bis 1885 auf die Insel. Auch die Familienzweige Janssen und Kaack sind nach Westerland umgezogen, allerdings unter anderen Bedingungen.


Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gab es allerdings auch Auswanderer, die die Insel in Richtung USA verlassen haben. Im Vergleich zu manchen anderen Familien war die Zahl der Auswanderer überschaubar. Aus den Familienzweigen Janssen, Lorenzens, Johannsen und Kaack ist kein Auswanderer bekannt, was aber nicht bedeutet, dass es aus den zahlreichen Nebenlinien nicht doch welche gibt. Die von mir identifizierten Auswanderer stammen sämtlich aus den Familienzweigen Carstensen und Wachsmuth, insgesamt habe ich 8 Auswanderer (Einzelpersonen oder Familien) identifizieren können.

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Jürgen Kaack 09.07.2017, 10.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Westerland im Jahr 1894



In dem Wochenmagazin "Ueber Land und Meer" der "Deutsche Illustrirte Zeitung" von 1894, Bd. 71, Nr. 23 habe ich diesen Holzschnitt gefunden, der Westerland von Osten her aus Richtung Munkmarsch zeigt. Links steht unverkennbar die alte Dorfkirche St. Niels, ein Stück weiter rechts als höchstes Gebäude die Villa Baur-Breitenfeld an der Strandstraße und unmittelbar am Meer. Im Vordergrund verläuft vermutlich die Munkmarscher Straße mit den Telegrafenleitungen zwischwn Munkmarsch und Westerland.

Das Kurzentrum aus den 70er Jahren fehlt kein bisschen!

In dem gleichen Magazin findet sich eine Reisebeschreibung für Westerland aus dem Jahr 1894 unter diesem Link.


Jürgen Kaack 08.07.2017, 17.55 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mordfall auf Sylt 1756

Einer der wenigen überlieferten Mordfälle aus dem 18. Jahrhundert auf Sylt hat eine Verwandte aus der Wachsmuth-Familie betroffen und zeichnet ein Bild von den Moralvorstellungen der damaligen Zeit. Die folgende Episode basiert auf einer überarbeiteten Wiedergabe aus dem Buch "Sylt - Memoiren einer Insel" von Peter Schmidt-Eppendorf aus der Husumer Druck- und Verlagsgesellschaft.


1727 wird in List Katharina Erken als Tochter des Seefahrers, Strandläufers und Schulhalters Erk Nickelsen geboren. Katharina wächst zu einer offensichtlich sehr attraktiven jungen Frau heran, die viele Verehrer findet. In einem Matrosen glaubt sie ihre große Liebe gefunden zu haben. Die Verliebtheit endet in einer ungewollten Schwangerschaft und der Matrose macht sich ebenso schnell aus dem Staub, wie er vorher aufgetaucht war. Ohne Ehemann gilt Katharina in der damaligen Gesellschaft als ehrlos und kurz nach der Niederkunft mit zwei gesunden Jungen wird sie aus dem Elternhaus verstoßen. Insbesondere ihre Schwestern fürchten die Schande, die sie über ihre eigenen Familien bringt. Einen der Zwillinge hat die Mutter bei sich behalten und groß gezogen.

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Jürgen Kaack 08.07.2017, 10.43 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Sylter Seefahrer erleiden Schiffsunglücke und Piratenüberfälle

Die Seefahrt war früher einer der Haupterwerbstätigkeiten der Männer auf den nordfriesischen Inseln und Halligen. In der Familie Bleicken hatte die Seefahrt eine über die Generationen hinweg reichende Tradition. Zum Tod von Erk  Bleicken (geboren am 20.09.1709 in Keitum und gestorben 1744 mit knapp 35 Jahren) berichtet der folgende Auszug nach der „Chronik der friesischen Uthlande“ von C.P. Hansen von 1877:


Erk Bleicken aus Keitum kam vermutlich bei dem Schiffsunglück am 15.03.1744 ums Leben. Am Vortag wäre er demnach zusammen mit 90 anderen überwiegend Sylter Seeleuten auf dem Boot von Schiffer Theide Bohn von Morsum aus in Richtung Amsterdam aufgebrochen, um in Amsterdam Heuer auf einem Walfangschiff zu suchen. In der Nacht entwickelte sich ein heftiger Südweststurm mit Schneeböen und trieb das Schiff zurück. Allerdings konnte der Schiffer wegen der eingeschränkten Manövrier-Fähigkeit des flachen Schmackschiffes die Hörnumtiefe nicht mehr ansteuern und fuhr daher in Richtung Norden entlang der Sylter Westküste, um über die Listertiefe die schützende Ostseite zu erreichen. Fatalerweise ließ Theide Bohn gegen Mittag das Topsegel setzen, um schneller aus dem Sturm zu kommen. Als eine schwere Böe das Schiff traf, beugte sich der Mast weit zur Seite über und ein schweres Ankertau, das in der Mitte des Schiffes befestigt war, löste sich und rutschte über die Bordwand. Winddruck und die Zugkraft des Ankertaus brachte die Schmack zum Kentern. Acht Seeleute konnten sich auf den flachen Schiffsboden retten und später mit einem Beiboot an Land gelangen, alle anderen einschließlich des Schiffers ertranken. 84 Familien verloren ihren Mann oder Sohn und oft ihren Ernährer. Am 10. September des selben Jahres 1744 ereignete sich ein ähnliches Unglück bei der Kniep-Sandbank westlich von Amrum bei der Rückkehr von 100 Walfängern, die mit der Schmack des Föhrer Schiffers Pai Mellefs aus dem Ausschiffungshafen nach Hause unterwegs waren. Bei diesem Schiffsunglück starben 64 Seeleute von Föhr, 11 von Langeneß, 7 von der Nordmarsch und 3 Sylter.

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Jürgen Kaack 07.07.2017, 11.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Werbeprospekt für Westerland von 1937



Art-Deco Grafik aus einem Prospekt zur Werbung für das Nordseebad Westerland von 1937, herausgegeben vom damaligen Landesfremdenverkehrsverband Nordmark.

Jürgen Kaack 06.07.2017, 15.08 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Familienzweig Kaack seit Ende des 16. Jahrhunderts

Bis vor einigen Jahren und vor Beginn der genealogischen Forschung bin ich fest davon ausgegangen, dass meine Familie nur wenige Verwandten umfasst. Für die letzten Generationen ist dies auch immer noch in allen Familien-Zweigen richtig. Geht man allerdings ein bisschen zurück, so ergibt sich ein anderes Bild, wie die Grafik beispielhaft erkennen lässt. Ich habe hier die Nachkommen des ersten belegten Vorfahren aus der Kaack-Linie herausgezogen, der um 1585 in der Nähe von Bordesholm geboren wurde und dort als Hufner lebte. Sein zweiter Sohn wurde nicht Hoferbe und siedelte um nach Langwedel. 

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Jürgen Kaack 06.07.2017, 14.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Wie vermeidet man 1794 eine uneheliche Geburt?

Die Situation dürfte ziemlich prekär gewesen sein: meine Ur-Ur-Ur-Urgroßmutter Anna Maria Peutz ist 1794 mit dem 18 Jahre älteren Johann Friedrich Janssen (geboren 1761 in Eckernförde) liiert, der wie sein Vater als Fuhrmann in Eckernförde tätig ist. Mit 14 Jahren wird sie schwanger und ist noch nicht im heiratsfähigen Alter.  Das Kind sollte aber wohl nicht unehelich zur Welt kommen. Die Entbindung erfolgt dann am 23.04.1794 auf einer Reise von Eckernförde nach Glückstadt in Hohenwestedt und Anna Maria gibt sich bei der Taufe am Tag nach der Geburt als mit dem Johann Friedrich verheiratet aus. Vielleicht hat sie die Reise angetreten, damit ihr Sohn in Eckernförde nicht als unehelich registriert wird? Auf jeden Fall ist der Sohn Johann als eheliches kind eingetragen. Johann Friedrich Janssen heiratet ein Jahr später mit 34 Jahren am 22.07.1795 die 16-jährige Anna Maria Peutz (geboren 1779). Die Braut ist bei der Hochzeit gerade 16. Neben Johann hatte die Familie zwei Töchter, Dorothea Margaretha Maria (12.11.1795 bis 07.10.1796), die schon als Kleinkind stirbt und Maria Margaretha Johanna, die am 24.08.1797 geboren wurde.

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Jürgen Kaack 05.07.2017, 15.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Bewaffneter Raubüberfall im frühen 19. Jahrhundert

Die 1. Schulchronik von Vaale (geschrieben von Lehrer Boysen um 1907) beschreibt einen bewaffneten Überfall auf das Ehepaar Schröder, das in einer Reihe von Diebstählen stattfand. Die einsame Lage des Schulhauses und das bekannte Vermögenslage waren wohl ein starker Anreiz. Anfang der 1830 waren die Töchter nicht mehr im Haus und zwei Männer drangen nachts durch die Schulstube in die Schlafkammer ein. Die Räuber hatten geschwärzte Gesichter und bedrohten das Ehepaar mit einer Pistole. Um zu verhindern, dass der Lehrer aus dem Alkoven aufsteht, nagelten sie ein Brett quer vor die Schiebetüren des Alkovens. Danach brachen sie in Ruhe Truhen und Schränke auf. Sie erbeuteten Leinen, Kleidungsstücke, Bettzeug, Silberzeug und etwas Geld. Auch die silberbeschlagene Meerschaumpfeife des Lehrers forderten sie von ihm, bevor sie verschwanden. Der scharfe Wachhund der Familie hat während des Überfalls keinen Laut von sich gegeben, vielleicht kannte er die Räuber. Catharina und Hinrich konnten sich erst später aus der misslichen Lage im Alkoven befreien. Trotz einer Anzeige und längeren Nachforschungen konnten die Täter nicht ermittelt werden.

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Jürgen Kaack 04.07.2017, 16.24 | (0/0) Kommentare | TB | PL