Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Ahnenforschung

Geschichte der frühen Familienzweige

Die in Teilen hier auf dem blog vorgestellten Geschichten der armenischen Vorfahren von Kaiserin Theophanu mit den Fürstenhäusern der Mamikonian, Gregoriden und Bargratiden findet sich zusammenhängend auf meiner Homepage zur Familiengeschichte unter diesem Link. In der Rubrik Familiengeschichten sind auch die anderen frühen Vorfahren aus den germanischen Stämmen in der Zeit der Völkerwanderung zusammengestellt. Hier findet man einzelne Beschreibungen der Entwicklungen der Heruler, Ost- und Westgoten, der Burgunder, Vandalen, Salfranken, der Sachsen und früher norwegischer, schwedischer und dänischer Herrscher. Die einzelnen Geschichten sind unter der Rubrik „Familienzweige“ zusammengefasst.

Neue Erkenntnisse und Ergänzungen werde ich zukünftig auf dieser Homepage als zentrales Medium zusammenstellen, so dass ich an der Geschichte interessierte Leser meine Homepage https://kaack.org empfehlen möchte. Der Besuch ist dort ebenso frei und ohne Registrierung möglich, wie es bislang auf diesem blog der Fall war. Auch auf der Homepage gibt es eine blog-Seite ist die Möglichkeit zur Kommentierung und der Rückmeldung möglich.

Da ich das Medium der Homepage für das Zusammenstellen der Erkenntnisse und Geschichten zur Familienforschung für besser geeignet halte als einen blog, werde ich zukünftig dort alle Inhalte zusammenfassen.

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Jürgen Kaack 05.01.2019, 12.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Rückblick auf die Familienforschung in 2018

In den Jahren bis 2018 lag der Fokus meiner Hobby-Beschäftigung mit der Erforschung der jüngeren Vergangenheit in den verschiedenen Familienzweigen. Da ich bis 2010 gerade mal die Personen bis zur Generation der Ur-Urgroßeltern kannte, war vieles neu. Gleichzeitig war die Erkundung der Vorfahren aufwändig, da die meisten Daten in den Kirchenarchiven zu finden sind und diese gut verteilt sind. Für eine Vor-Ort-Recherche ist der Aufwand doch in den meisten Fällen zu hoch, so dass ich professionelle Forscher hinzugezogen habe. Ergänzend zu den Daten aus den Kirchenbüchern sind Stadtarchive, private Chroniken und Literaturstudien hilfreich. Mit Kirchenarchiven kommt man oft bis ins 16. Jahrhundert, sofern nicht zwischendurch Bestände zerstört wurden. Lücken sind somit vorprogrammiert.

Unter diesen Randbedingungen dürften die so ermittelbaren Vorfahren und engere Verwandte mittlerweile vorliegen. Bei Nebenlinien ließe sich dieses Suchspiel fast endlos weiter ausdehnen, trotzdem ist es gelegentlich interessant in Nebenlinien zu schauen. Durch einen Hinweis aus Moskau habe ich Anfang letzten Jahres Nachfahren des um 1540 geborenen Marquart Struve aus Sommerland im Kreis Steinburg recherchiert, die keine direkten Vorfahren sind und daher vorher unbeachtet geblieben sind. Die Entwicklung dieser Linie zeigt in der Person von Dr. Jacob Struve die Abkehr von der vorher landwirtschaftlichen Betätigung auf einem eigenen Hof und die Hinwendung zur Philologie und Mathematik sowie in folgenden Generationen zur Astronomie. Seine  Nachfahren haben als Direktoren an der bekannten Sternwarte Pulkovo bei St. Petersburg geforscht, u.a. Prof. Dr. Friedrich Georg Wilhelm von Struve, der zwischenzeitlich vom russischen Zaren geadelt wurde. In den Wirren der Oktoberrevolution und des Bürgerkriegs sind einige Familienmitglieder in den Westen geflohen, einer ist später an eine Sternwarte in den USA gegangen. Bei meiner direkten Vorfahrin Anna Struve, Tochter des Marquart, und ihren Nachkommen verlief das Leben zunächst weit weniger spektakulär weiter im landwirtschaftlichen Bereich und im engeren lokalen Umfeld von Sommerland.

In meiner Datenbank befinden sich insgesamt 17.700 Personen, von denen nur gut 2.500, also knapp 15% direkte Vorfahren sind. Bei den meisten Familienzweigen enden die Recherchemöglichkeiten spätestens beim Anfang der Kirchenbuchschreibung, manchmal auch schon deutlich davor. Nur im Fall des am 22.10.1534 in Antwerpen geborenen Antonius Steinhaus ist die Situation anders. Er stammt von einem Rittergeschlecht von Steenhuis am Niederrhein ab, das unter diesem Namen bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Die Blutlinie setzt sich durch Heirat über die Grafen von Jülich bis zum Haus Matfriede in Metz und von dort zu Karolingern und Merowingern fort.

Im Jahr 2018 habe ich noch eine Reihe von Ergänzungen finden können, z.B. Grundrisse und Bauanträge aus Westerland und nach einem Besuch im Meldorfer Dom Eindrücke gewonnen zu den dortigen Epitaphen für Antonius Steinhaus und seinen Schwiegersohn Johannes Wasmer mit ihren Familien. Auch der Gegend um Neuendorf, Kollmar und Glückstadt, in der einige Familienzweige über viele Generationen hinweg gelebt haben, habe ich einen persönlichen Besuch abgestattet. Einige Nebenlinien habe ich weiter recherchiert und so zwei Familie aus dem Zweig der Kaack und eine aus dem Zweig Wasmer gefunden, die in die USA ausgewandert sind.

In den letzten Monaten habe ich mich dann etwas näher mit den frühen Vorfahren beschäftigt. Primärrecherchen helfen hier natürlich nicht weiter, so dass man oft auf Tertiär-Informationen angewiesen ist. Damit lässt sich dann aber doch ein einigermaßen verlässliches Bild erstellen und die vorhandenen Daten zum Teil erheblich ergänzen. Das der Volksstamm der Sachsen eine wichtige Rolle einnimmt, war schon seit der ersten Beschäftigung mit den Vorfahren der Steenhuis offensichtlich. Interessant ist, dass sich Vorfahren in nahezu allen germanischen und skandinavischen Volksstämmen finden lassen, wobei die Völkerwanderung dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hat. Die Beschäftigung mit den wesentlichen Akteuren der Völkerwanderung: Ost- und Westgoten, Heruler, Vandalen, Burgunder und Salfranken bringt spannende Erkenntnisse und ist auch noch nicht abgeschlossen. Über diese überwiegend ostgermanischen Stämme ergeben sich familiäre Verbindungen zu den Herrscherfamilien des späten ost- und weströmischen Reichs.

Ein weiterer Zufall hat mich beim Besuch der Kirche St. Pantaleon in Köln und den dortigen Sarkophag der Kaiserin Theophanu (geboren 959 in Byzanz und gestorben am 15.06.991 in Nijmwegen), die mit Kaiser Otto II. verheiratet war, dazu gebracht, mir ihre Vorfahren näher anzusehen. Theophanu und Otto II. sind direkte Vorfahren und für Otto II. dürfte ich die Stammlinie weitgehend vollständig haben. Nur zu Theophanu wusste ich nur, dass sie als Tochter eines Heerführers im damaligen Byzanz zur Welt kam und mit Otto II. in Rom gelebt hat. Die Beschäftigung mit ihren Vorfahren hat unerwartete Ergebnisse gebracht, stammt sie doch von drei ehemals mächtigen Fürstenhäusern aus Armenien ab, die Könige (Mamikonian und Bagratiden) hervorgebracht haben, mit den Gregoriden aber auch eine Reihe von Patriarchen der armenischen Kirche. Ihre frühesten bekannten Vorfahren lebten im zweiten Jahrhundert. Da mir über die Geschichte Armeniens wenig bekannt war, haben diese Erkenntnisse einen ausreichenden Anstoß gegeben, um zumindest ein wenig aus der wechselvollen Geschichte Armeniens nachzuvollziehen.

Unter meinen frühen Vorfahren finden sich auch Kelten, die im Süden von England mehrere Reiche hatten. Ihre Vorfahren befinden sich in nicht unerheblichem Maße im Bereich der Mythologie, wozu die Artus-Sage sicher beigetragen hat. Die Kelten hatten eine Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen mit ihren angelsächsischen Nachbarn und wurden nach Cornwall und Wales zurückgedrängt.

Sachsen sind während der Völkerwanderung schon früh im 4. Jahrhundert nach England gegangen und haben dort u.a. das Königreich Kent gegründet. In meinem Stammbaum der Sachsen, der bis vor das Jahr 0 zurückreicht, ist Witigilus (geboren um 355 und gestorben 434) als erstere König von Kent genannt. Mit Heiraten in die Stämme der Abodriten, Franken und Burgunder und durch wieder zurückgekehrte Sachsen hat sich ein reger Austausch zwischen Britannien und dem Festland ergeben. Von der Linie der Sachsen stammt auch König Alfred der Große von Wessex (849 bis 26.10.899) unmittelbar ab, der das letzte angelsächsische Reich in Britannien gegen die Wikinger verteidigen konnte und die spätere Vereinigung der Reiche vorbereitet hat. Die Blutlinie geht von Alfred gleich über zwei seiner Kinder weiter. Die Enkelin seines Sohnes und Nachfolgers auf dem Thron Edward von England dem Älteren ist Eadgifu von Wessex, die 937 König Karl III. von Westfranken geheiratet hat. Alfreds Tochter Ælfthryth von Wessex hat 899 Markgraf Balduin II. von Flandern geehelicht.

Ealhswith (um 852 bis 10.12.905), die Ehefrau von König Alfred von Wessex stammt von Grafen, Fürsten und Königen aus dem Reich Mercia ab, die zu den Angelsachsen zu zählen sind. Die frühesten Vorfahren aus dieser Linie lebten im 6. Jahrhundert, eine Verbindung zu den sächsischen Vorfahren von Alfred oder den Königen von Kent habe ich nicht finden können, vermutlich stammten sie nicht vom gleichen Zweig ab.

Nach der Erfassung und Strukturierung vermutlich der meisten direkten Vorfahren kann noch etwas mehr Aufwand in die geschichtliche Einordnung erfolgen. Erste Texte zu den einzelnen Linien und Stämmen habe ich in den letzten Wochen auf meiner Webseite zur Familiengeschichte (https://kaack.org) eingestellt, die ich in 2018 neu eingerichtet habe,  aber es gibt noch einiges an Literatur zu sichten. Im letzten Jahr habe ich die neuen Erkenntnisse in neuen Auflagen meiner Chronik-Bücher eingearbeitet. Ob ich ergänzenden Befunde aus dem letzten halben Jahr noch aufnehme, steht noch nicht fest. Betreffen würde dies z.B. die Teilchronik zu den Familien Janssen und Kaack (https://www.bod.de/buchshop/chronik-der-familien-kaack-und-janssen-juergen-kaack-9783746063669).

Die Erfahrung aus der Beschäftigung mit der Familienforschung lehrt, dass Überraschungen nicht ausgeschlossen sind und auf Zufallsfunde oder Anstöße wie im Fall der Astronomen aus der Familie Struve oder dem Sarkophag von Kaiserin Theophanu dürfte die weitere Entwicklung angewiesen sein. Systematische Nachforschungen werden schwieriger, je umfangreicher der Datenbestand wird.

Auf jeden Fall hat die Familienforschung im Jahr 2018 mehr an neuen Ansätzen gebracht und mehr Zeitaufwand gefordert, als ich dies im Vorjahr vermutet hatte. Mal sehen, was sich noch an weiteren Erkenntnissen ergibt. Auf jeden Fall ist die Familienforschung ein spannendes Hobby, mit dem ich mich in unterschiedlicher Intensität seit etwa zehn Jahren beschäftige.
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Jürgen Kaack 01.01.2019, 12.22 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Bagratiden - ein armenisches Herrscherhaus

Die Bagratiden waren ein weiteres armenisches Herrscherhaus und gehören zu den Dynastien, die über die längste Zeit im Kaukasus Bestand hatte und von 885 bis 1045 die armenischen Könige stellte. Im 12. Jahrhunderte starb diese Familie aus. Die mythologischen Geschichten zur Herkunft des Geschlechtes erscheinen abenteuerlich und wenig glaubhaft. Ein um 100 vor Christus als Heerführer des alanischen Königs Tigranes II., der von 95 bis 55 vor Christus herrschte, genannter Bagratades könnte der erste dokumentierte Bagratide sein. Im 6. Jahrhundert dienten Bagratiden als Markgrafen und Heerführer der Sassaniden. Im 8. Jahrhundert wurden sie dann die führende im Kampf gegen die arabischen Herrscher. Sie erlangten dabei den vom Kaiser vergebenen Titel eines Patricios (Militärführer) und mit der Bezeichnung eines Kuropalaten („Leiter des Palastes“) einen der höchsten Titel im Reich. Die Insignien eines Kuropalaten - rote Tunika, Mantel und Gürtel - wurden vom Kaiser persönlich überreicht.

Auch in meinem Stammbaum bilden die Bagratiden eine durchgängige Linie beginnend mit einem um 240 geborenen Bagratide bis zu Prinz Ashot IV. „dem Fleischfresser“, der von um 750 bis 826 lebte. Der folgende Stammbaumausschnitt zeigt die ersten Generationen seiner Vorfahren. Auf Prinz Ashot IV. folgt in meinem Stammbaum seine um 790 geborene Tochter Pancalao Bagratina von Armenien, die den aus Adrianopel (Edirne) stammenden Konstantinus aus dem Hause Mamikonian geheiratet hat. Aus dieser Ehe geht Kaiser Basileus der Große von Byzanz hervor, der 867 gekrönt wurde, und sein Bruder Bardas Maymikonian, mit dem mein Stammbaum weitergeht.

 

Die folgende Karte zeigt das Herrschaftsgebiet der Bagratiden in der Zeit um das Jahr 1000 (Quelle: Sémhur - Data sources :Background map : NASA Shuttle Radar Topography Mission (SRTM3 v.2) (public domain)Armenia map : George A. Bournoutian (2006) History of the Armenian People_Ancient times to AD 1500.pdf A Concise History of the Armenian People (PDF) (5. Aufl.), Costa Mesa: Mazda Publishers, Inc., Map 15 ISBN: 1-56859-141-1.Rivers, some cities : DemisSoftwares used :NASA datas edited with Global Mapper 9 (limited version) by the United States Geological Survey (USGS)Demis data edited with Demis MapperVectorized with InkscapeCreation Map Tutorial (in french) from StingOthers :UTM map projectionWGS84 geodetic system, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3284398)



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Jürgen Kaack 31.12.2018, 10.13 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Gregoriden - Patriarchen von Armenien

Ab 352 fungierte Vardan aus dm armenischen Fürstenhaus Mamikonian als Spararpet (Oberbefehlshaber) in Armenien. Bei der Verteidigung gegen eine persische Invasion wurde er vermutlich durch einen Verrat 451 in der Schlacht von Avarayr besiegt und getötet.

Die Zeichnung auf der rechten Seite zeigt Vardan Mamikonian als Oberbefehlshaber der Armenier in der Schlacht von Avarayr 451 (Quelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=471667)

Vardans um 410 geborener Bruder Hmayeak Mamikonian starb 452, ein Jahr nach der Schlacht, aber sein Sohn Vahan hat den Freiheitskampf weitergeführt und 484 wurde die armenische Autonomie wiederhergestellt. Hamayeaks Mutter Sahakanoysh (385 bis 416) gehörte zur Familie Suren-Pahlav der Gregoriden. Die Gregoriden waren eine Adelsfamilie, die sich von Gregor dem Erleuchter ableitet, der um 260 geboren wurde und bis ca. 328 lebte. Gregor war vermutlich ein Sohn des um 210 geborenen Parthers Anak Suren-Pahlav. Das Haus Suren-Pahlav bildet eine Seitenlinie zum Fürstenhais der Arsakiden, die von 247 vor Christus bis zum Jahr 224 als Großkönige im Perserreich herrschten. Im Auftrag des sassanidischen Königs Schapur I. soll Anak im Jahr 252 seinen Verwandten aus dem Haus Arsakiden, den König von Armenien Tiridates II. den Großen, ermordet haben. Daraufhin wurden Anak und seine Familie umgebracht. Nur zwei Söhne überlebten, einer davon war Gregor, der in Kappadokien von einem Priester ausgebildet und später als Apostel von Armenien verehrt wurde.

Angeblich wurde Gregor von König Trdat (Trinitatis) III. gefangengenommen und gefoltert, da er sich weigert, den alten Göttern zu opfern. Über mehrere Jahre soll er in einer unterirdischen Höhle eingekerkert gewesen sein. Trdat ist der Enkel des von Anak ermordeten Königs Tiridates II. und hat 298 mithilfe eines römischen Heeres Armenien wieder von den Persern zurückerobert, nachdem das römische Heer 297 bei Carrhae von persischen Kriegern besiegt worden war. Unter römischen Schutz konnte Tradt 298 den Thron seines im Jahr 287 von einem Usurpator ermordeten Vaters Chosraw II. Der Legende nach erkrankte Trdat an einer als unheilbar eingeschätzten entstellenden Hautkrankheit. Als letzte Möglichkeit wird Gregor aus seiner Zelle geholt und heilt den kranken König. 314 wird im Jahr 315 zum Bischof geweiht und zerstört die heidnischen Tempel im Land. Er tauft den König und festigt das Christentum in Armenien. Nachdem Armenien sich zum Christentum bekannt hat, gibt es Widerstand und christenfeindliche Adlige vergiften Trdat III. im Jahr 330. Gregor verbringt die letzten Lebensjahre in der Einsamkeit am Berg Sebuh in Westarmenien und stirbt dort 331.

Links eine Zeichnung von Gregor dem Erleuchter, auf den sich  die Gregoriden als Stammvater  beziehen (Quelle: Der ursprünglich hochladende Benutzer war Vital Component in der Wikipedia auf Englisch - Übertragen aus en.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3102315). Rechts ein Gemälde, in dem die Taufe des Königs Trdat III. dargestellt wird (Quelle: Von http://en.wikipedia.org/wiki/Image:Baptism_of_trdat.jpg, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1035859)

   

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Jürgen Kaack 29.12.2018, 11.00 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Zufalls-Entdeckungen

Nachdem es eigentlich schon länger geplant war, habe ich vor Kurzem die Kirche St. Pantaleon in Köln besucht, in erster Linie, weil ich sehen wollte, wie mein damaliger Kindergarten heute aussieht. St. Pantaleon ist ein reizvoller frühromanischer Kirchenbau, der nach dem gleichnamigen spätantiken Märtyrer benannt wurde. Der Bau wird 866 erwähnt und der Erzbischof Bruno, ein Bruder von Kaiser Otto II. dem Großen (23.11.955 bis 07.12.983) gründet ein Benediktinerkloster und schafft mit einer Stiftung die Grundlage für den Bau der Kirche.

In der Kirche steht der Sarkophag der Kaiserin Theophanu, einer Prinzessin aus Byzanz, die mit Kaiser Otto verheiratet war. Theophanu unterstützt die Errichtung des Westwerks der Kirche. Auch der heilige Pantaleon stammt aus Nikomedia (Izmit) in Kleinasien, nicht weit vom damaligen Byzanz entfernt. Theophanu wurde 959 in Konstantinopel geboren und hat Otto II. am 14.04.972 in Rom geheiratet, sie war damals gerade 13 Jahre alt. Die Hochzeit war ein Symbol für die Wiederannäherung von West- und Ostrom. Bei der Hochzeit hat Papst Johannes XIII. Theophanu zur Kaiserin gekrönt. Theophanu hat aus Byzanz ein größeres Gefolge aus Künstlern, Architekten und Kunsthandwerkern mit nach Rom. Aus dieser Ehe gehen fünf Kinder hervor:

  • Sophia, Äbtissin in Gandersheim (975 bis 30.01.1039)      
  • Adelheid, Äbtissin von Quedlinburg (977  bis 14.01.1044)
  • Mathilde, Ehefrau von Pfalzgraf Ezzo (979 bis 04.11.1025)       
  • Kaiser Otto III. (06.980 bis 23.01.1002)      
  • Totgeborene Zwillingsschwester von Otto III.

Theophanu galt als die reichste Frau ihrer Zeit. Im Jahr 983 verstarb Otto II., vermutlich an einer Malaria-Erkrankung. Ottos II. Mutter Adelheid von Burgund hat die bis dahin in Rom lebende Theophanu mit ihren Kindern nach Deutschland geholt, wo sie in Köln ihren Witwensitz hatte. Seit 985 hatte sie offiziell die Herrschaft übernommen und übte die Regentschaft über ihren unmündigen Sohn Otto III. bis zu ihrem Tod aus. In dieser Funktion ließ sie offizielle Urkunden in ihrem Namen und mit dem Titel „Kaiser“ unterzeichnen. Am 15.06.991 starb Theophanu nach kurzer Krankheit in Nimwegen und wurde in der Kirche St. Pantaleon in Köln beigesetzt. Die Regentschaft für Otto III. hat ihre Schwiegermutter Adelheid von Sachsen bis 994 fortgeführt.



Fotos des Kircheninneren von St. Pantaleon und des Sarkophags von Kaiserin Theophanu (eigene Aufnahmen)

  
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Jürgen Kaack 28.12.2018, 11.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Salfranken - Vorgänger der Merowinger

Rechtzeitig vor Weihnachten ist meine kleine Serie zu den Entwicklungen der frühen Vorfahren zur Zeit der Völkerwanderung mit der Betrachtung der Salfranken fertig geworden.

We bei fast allen anderen späteren germanischen Volksstämmen gab es in der Frühzeit eine Vielzahl einzelner Gruppen und Familie, die sich erst später und oft unter Druck von außen zu engeren Volksstämmen zusammengefunden haben. Eine der fränkischen Teilstämme waren die Salfranken, die vermutlich ursprünglich im Rheinland gesiedelt haben. einer der frühesten halbwegs sicher belegten Anführer war Marcomer I., der von 320 bis 404 gelebt haben soll. Wie viele andere Stämme zogen die Salfranken in richtung Westen und überquerten den Rhein und siedelten im Bereich der römischen Provinz Belgica Secunda Toxandrien und Tournai.


Links eine Abbildung des sagenhaften Königs Pharamond I. (Quelle: GPL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=926667), rechts der Siegelring mit dem Abbild von König Childerich I. der Salfranken (Quelle: Von Unbekannt - Gallica, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1756524)

   

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Jürgen Kaack 23.12.2018, 16.34 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Der Stammbaum der frühen Burgunder

Die Abfolge der Burgunder seit dem frühesten einigermaßen sicher nachgewiesenen und um 280 geborenen Vorfahren Guntharich III. zeigt die folgende Stammtafel. Anhand der Tafel lassen sich die im Post zu den Burgundern während der Völkerwanderung leichter nachvollziehen, insbesondere bei den vier Söhnen von König Gundioch (geboren um 410 bis 473). Die Stammtafel reicht bis zum letzten der frühen Burgunder Godomar II. Die späteren Burgunder aus dem Hochmittelalter sind nicht mit den frühen Burgunder verwandt.



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Jürgen Kaack 22.12.2018, 20.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Burgunder während der Völkerwanderung

Das Volk der Burgunder stammt vermutlich ebenso wie Goten, Heruler und Vandalen aus dem Gebiet südlich der Ostsee und es ist anzunehmen, dass die Siedlungsgebiete direkt benachbart waren. Möglich wäre eine vergleichsweise kleine Region westlich der Vandalen und südlich von Goten und Herulern, z.B. im Bereich des heutigen Bundeslands Brandenburg. Vielleicht waren die Burgunder einen Teil oder eine Abspaltung der Vandalen waren, heute dürfte dies kaum noch zu klären sein. Ob die Insel Bornholm ihren Namen „Burgundarholm“ im 8. Jahrhundert von den Burgundern als frühen Bewohnern oder als Zwischenstation ableitet, dürfte Spekulation bleiben. Generell ist davon auszugehen, dass in den frühen Zeiten eher einzelne Sippen anzutreffen waren als geschlossene Volksgruppen.

Früheste Erwähnung finden die Burgunder, als sie im Verbund mit den Vandalen im Jahr 276 wohl am Lech von römischen Truppen geschlagen wurden. Vielleicht siedelten die Burgunder danach in einem Gebiet am Main. Im 4. Jahrhundert werden die Burgunder als Verbündete Roms gegen die Alemannen verzeichnet. Möglicherweise haben sie sich in dieser Zeit im Bereich der Main-Mündung und am Neckar niedergelassen. Auf jeden Fall haben die Burgunder am 31.12.406 gemeinsam mit Vandalen und Alanen den Rheinübergang bei Mainz gegen fränkische Truppen erzwungen. Wohin sich die Burgunder nach der Rheinüberquerung gewandt haben, ist anscheinend nicht endgültig geklärt. Vielleicht blieben sie am Rhein im Raum Mainz und standen als Föderati in römischen Diensten, um die Rheingrenze für Rom zu schützen. Diese Vereinbarung hat offenbar für einen Zeitraum von ca. 20 Jahren Bestand gehabt und es finden sich Spuren der burgundischen Föderati-Truppen in verschiedenen Kastellen, z.B. Alzey und Gellep-Stratum.

Im Jahr 411 stellten sich die Burgunder unter ihrem Anführer Gundahar (um 376 bis 435) gegen Rom und unterstützten den gallorömischen Gegenkaiser Jovenius, um auf diesem Wege den eigenen Machtbereich weiter nach Westen auszuweiten. Nach der Niederlage in einer Schlacht gegen den römischen Heermeister Aetius im Jahr 435, bei der König Gundahar ums Leben kam, mussten sich die Burgunder aber wieder an den Rhein zurückziehen. Im Folgejahr wurde das Herrschaftsgebiet der Burgunder am Rhein von hunnischen Kräften überrannt. Auf dem Untergang des Burgunderreiches basiert das viel später geschriebene Nibelungenlied.


Auf der linken Karte sind die Bewegungen des hunnischen Heeres durch Gallien bis zur Schlacht Schlacht auf den katalaunischen Felder von 451 dargestellt, due rechte Karte zeigt die Bewegungen der einzelnen Heeresteile (Quelle: Es wird MapMaster als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1357218 Rechte Karte: Von Dryzen in der Wikipedia auf Englisch - Übertragen aus en.wikipedia nach Commons durch MGA73., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10991950)

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Jürgen Kaack 22.12.2018, 16.57 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aella Galla Placida und Eudoxia Valentina - Töchter römischer Kaiser

Neben den historischen Entwicklungen einzelner Volksstämme sind es die überlieferten Einzelschicksale, die Geschichte greifbarer macht.

Diese findet man in der Regel nur bei Personen, die schon zu Lebzeiten eine herausragende Bedeutung hatten. Die folgenden Beispiele der beiden noblen römischen Damen aus dem 4. und 5. Jahrhundert sind bezeichnend für die Wirren der Völkerwanderungszeit und die schon damals stattfindende Vermischung der Volksstämme. Ebenso bemerkenswert ist das Beispiel, weil es Frauen betrifft, die erheblichen Einfluss in der Staatsführung hatten. Ein vollständigerer Text findet sich auf meiner Homepage https://kaack.org unter diesem Link.

Links eine Abbildung von Kaiser Theodosius I. auf einer römischen Münze (Quelle: By Photographed by: York Museums Trust Staff - This file has been provided by York Museums Trust as part of a GLAMwiki partnership., CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=48145065) Rechts eine Abbildung von Aella Galla Placida auf einer Goldmünze (By Clio20, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69649964)

     

Die 388 als Tochter von Kaisers Theodosius I. Augustus und Flavia Galla von Rom geborene Aella Galla Placidia wurde während der Belagerung von Rom durch westgotische Truppen unter ihrem König Alarich I. im Jahr 410 als Geisel genommen und mit nach Spanien geführt. Im Zuge von Verhandlungen zwischen Rom und den Westgoten wurde unter dem König Athaulf I. als Nachfolger von Alarich eine Heirat zwischen Aella Galla und Athaulf zur Festigung der Beziehung vereinbart. Als Athaulf 415 im Bad ermordet wurde, liess sein Nachfolger die Kinder aus Athaulfs erster Ehe ermorden und erniedrigte Aella Galla. Zur Vermeidung von Protesten aus der eigenen Bevölkerung, in der Aella Galla hohes Ansehen besass und als Pfand zur Beschaffung der dringend benötigten Nahrungsmittellieferungen aus Rom, wurde Aella Galla freigelassen und nach Rom zurückgeschickt.

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Jürgen Kaack 19.12.2018, 14.31 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Die Vandalen während der Völkerwanderung

"... und hausen wie die Vandalen"

Dieser Spruch fiel mir als erstes ein, als ich mich im Zuge der Familienforschung mit den Herulern beschäftigt hab eund auf die Verbindung zu den Vandalen stieß. Dabei ist die Geschichte des kleinen Volkes der Vandalen spannend und hat zu erheblichen Machverschiebungen im Europa des 5. und 6. Jahhunderts geführt. Die Herkunft der Vandalen erscheint ebenso unsicher wie bei den anderen ostgermanischen Volksstämmen. Vermutlich waren die ersten Wohnsitze nicht weit von denen der Heruler und Goten entfernt, vielleicht nordöstlich von beiden Stämmen im Bereiche der Flüsse Oder und Weichsel. Eine Herkunft aus Skandinavien wird nicht als wahrscheinlich angesehen. Ob die Vandalen in der Frühzeit ein eigenes Volk gebildet haben, kann ebenso wie bei den Goten bezweifelt werden. Vielleicht waren es zunächst einzelne Gruppen, die erst später einen eigenen Volksstamm gebildet haben.

Um 400 entstand wohl durch das Vordringen der Hunnen aus Osten eine größere Wanderungsbewegung, an der die Vandalen zusammen mit den benachbarten Alanen und Sueben teilhatten. Die Vandalen wurden von ihrem König Godegisel angeführt, der zum Teilstamm der Hasdingen gehörte. Er ist gleichzeitig der erste mit einiger Sicherheit dokumentierte Vorfahre aus dem Stamm der Vandalen. Diese gemischte Gruppe überquerte in der Silvesternacht des Jahres 406 den Rhein bei Mainz auf dem Weg in die römischen Provinz Gallien. 

Schon im Jahr 405 war der Gotenführer Radagaisus mit einem großen Heer von ca. 20.000 Kriegern in Italien eingefallen und konnten vom römischen Heerführer Stilicho nur mit Unterstützung hunnischer, vandalischer und alanischer Söldner in der Schlacht bei Faesulae gestoppt werden. Nach der Schlacht wurde Radagaisus am 23.08.406 von Stilicho hingerichtet. 


Die folgende Karte gibt einen Überblick zu der möglichen Verteilung der germanischen Stämme im Jahr 100 (Quelle: Von Karl Udo Gerth - Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5819588)


Da die römischen Truppen gegen Radagaisus zusammengezogen waren, blieb die Grenztruppe aus fränkischen Föderatentruppen vermutlich nur schwach besetzt zurück und konnte von den vorrückenden Vandalen überrannt werden. Trotzdem war diese Schlacht für die Vandalen sehr verlustreich und ihr König Godegisel kam dabei ums Leben. Der Durchbruch über den Rhein blieb im 6. Jahrhundert der einzige erfolgreiche Einfall in das weströmische Reich.

Godegisels ältester überlebender Sohn Guntherich, der 379 geboren worden war, folgte 407 als König der hasdingischen Vandalen. Plündernd führte Guntherich seinen Stamm durch Gallien, wurden aber durch fränkische Truppen bedrängt und zogen weiter südlich. 409 überschritten die Vandalen die Pyrenäen und wurden 411 für kurze Zeit als Förderaten von Westrom in Nordspanien angesiedelt. 416 drängten aber auch die Westgoten nach Spanien, so dass die Vandalen weiter nach Süden bis nach Andalusien zurückweichen mussten. In den verlustreichen Kämpfen war 418 der König der Alanen gefallen und die Alanen und Silingen unterstellten sich Guntherich, der sich fortan König der Vandalen und Alanen nannte.

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Jürgen Kaack 15.12.2018, 20.58 | (0/0) Kommentare | TB | PL