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Sylt - Erinnerungen einer Familie

Mein Buch "Sylt - Erinnerungen einer Familie" ist mittlerweile in  zweiter Auflage anhand des Materials entstanden, das ich für die Familienforsschung zusammengetragen habe. Es bietet eine ungeschönte Darstellung der Insel Sylt und ihren Bewohnern anhand von seltenen alten Drucken und Fotos und Geschichten von Vorfahren, die entweder schon lange auf der Insel gelebt haben oder im 19. Jahrhundert zugezogen sind.

Die Geschichte der „Ur“-Sylter beginnt Anfang des 17. Jahrhunderts und war u.a. geprägt von der dänischen Vorherrschaft bis 1886 und von weitreichender Armut. Das Buch zeigt die Probleme der Bevölkerung in einem für die Landwirtschaft wenig geeigneten Gebiet und die Risiken in Verbindung mit der Seefahrt auf. Einigen Schiffsunglücken in der Nähe der Insel und in Übersee wird nachgegangen, aber auch einer der wenigen bekannten Mordfälle im 18. Jahrhundert geschildert.

Dargestellt werden aber auch die Veränderungen, die sich für die zugezogenen Familien ergeben haben. Veränderungen und neue Chancen haben sich durch den beginnenden Tourismus ab 1855 ergeben, als Westerland zum Nordseebad erhoben wurde. Das Buch endet in der Zeit um 1950.


Das Buch ist erhältlich als Printausgabe mit Paperback-Einband sowie als eBook und ist erhältlich direkt über den Verlag BoD, über den stationäören Buchhandel sowie über Amazon.

Im Folgenden wird ein Auszug zur Geschichte der Seefahrer-Familie Bleicken wiedergegeben.



Die Seefahrer aus der Familie Bleicken

Erk Bleick Ercken ist ein Nachfahre meiner frühesten Sylter Vorfahren Niß Schmitt (geboren um 1625), Tam Peters (geboren um 1625) und Jasper Rasmussen (geboren um 1594). Erk ist der Ur-Ur-Urenkel und wurde am 30.10.1774 in Tinnum geboren. Am 19.12.1799 hat er Anna Jacobsen geheiratet und mit ihr fünf Kinder gezeugt. Die jüngste Tochter ist die am 28.07.1816 geborene Inken Boysen Bleicken, meine Ur-Ur-Urgroßmutter.

In der Familie Bleicken hatte die Seefahrt eine über die Generationen hinweg reichende Tradition. Inken Boysen Bleickens Urgroßvater Erck Bleicken (geboren am 20.09.1709 in Keitum und gestorben 1744 mit knapp 35 Jahren auf See, siehe nachfolgenden zeitgenössischen Bericht), sein Sohn Bleik Erich Erken (geboren am 05.08.1738 und gestorben mit 39 Jahren am 03.12.1777 bei einem Schiffsunglück vor der nördlichsten dänischen Wattinsel Fanöe, bei dem auch sein Schiff verloren ging), sein Enkel Erk Bleik Erken (geboren am 30.10.1774 gestorben im Jahr 1818 mit knapp 44 Jahren auf See) sowie seine Ur-Enkel Boy Dirk Boysen (11.11.1800 bis 26.04.1882) und Jacob Erk Bleiken (11.11.1804 bis 1818) Seefahrer waren.

Erk Bleicken aus Keitum kam vermutlich bei einem Schiffsunglück am 15.03.1744 ums Leben. Am Vortag war er zusammen mit 90 anderen überwiegend Sylter Seeleuten auf dem Boot von Schiffer Theide Bohn von Morsum aus in Richtung Amsterdam aufgebrochen, um in Amsterdam Heuer auf einem Walfangschiff zu suchen. In der Nacht entwickelte sich ein heftiger Südweststurm mit Schneeböen und trieb das Schiff zurück. Allerdings konnte der Schiffer wegen der eingeschränkten Manövrier-Fähigkeit des flachen Schmackschiffs die Hörnumtiefe nicht mehr ansteuern und fuhr in Richtung Norden entlang der Sylter Westküste, um über die Listertiefe die schützende Ostseite zu erreichen. Fatalerweise ließ Theide Bohn gegen Mittag das Topsegel setzen, um schneller aus dem Sturm zu kommen. Als eine schwere Böe das Schiff traf, beugte sich der Mast weit zur Seite über und ein schweres Ankertau, das in der Mitte des Schiffes befestigt war, löste sich und rutschte über die Bordwand. Winddruck und die Zugkraft des Ankertaus brachte die Schmack zum Kentern. Acht Seeleute konnten sich auf den flachen Schiffsboden retten und später mit einem Beiboot an Land gelangen, alle anderen einschließlich des Schiffers ertranken. 84 Familien verloren ihren Mann oder Sohn und oft ihren Ernährer. Am 10. September des selben Jahres 1744 ereignete sich ein ähnliches Unglück bei der Kniep-Sandbank westlich von Amrum bei der Rückkehr von 100 Walfängern, die mit der Schmack des Föhrer Schiffers Pai Mellefs aus dem Ausschiffungshafen nach Hause unterwegs waren. Bei diesem Schiffsunglück starben 64 Seeleute von Föhr, 11 von Langeneß, 7 von der Nordmarsch und 3 Sylter (nach C.P. Hansen).

Die Schmack-Schiffe („friesische“ Schmack), auch als Gaffelrigg bezeichnet entstanden im 16. Jahrhundert als Frachtsegler für die Küsten- und Wattfahrt. Zuerst handelt es sich um ein einmastiges Schiff, im 18. Jahrhundert wurden die Schiffe größer und erhielten anderthalb oder zwei Masten. Die Schiffe hatten eine füllige Form und einen flachen Boden, damit sie mit niedrigem Tiefgang im Wattenmeer fahren konnten. Nachfolger des Schmack-Schiffs war ab dem 18. Jahrhundert die größere Kuff.

Erk Bleik Erken und sein Sohn Jacob Erk Bleiken, der in dem Jahr gerade 13 Jahre alt war, fuhren 1818 gemeinsam auf einem Schiff in Richtung Kap Hoorn. Das Schiff ging vor Patagonien unter, Erk Bleik und sein Sohn Jacob Erk wurden vermisst und tauchten nie wieder auf. Nur der Ur-Enkel Boy Dirk Boysen, der als Schiffsführer tätig war, beendet sein Leben mit 81 Jahren am 26.04.1881 an Land in Tinnum.


Erk Geicken, der um 1650 in Westerland geboren wurde, zu dem über die Familienzweige Erken, Petersen, Schmidt ein indirektes Verwandtschaftsverhältnis besteht, war 1693 als Kapitän mit seinem Schiff vor Nordafrika unterwegs, als das Schiff von Piraten angegriffen und aufgebracht wurde. Kapitän und Besatzung wurden in Algier auf dem Sklavenmarkt verkauft. Die Familie legte das vorhandene Vermögen zusammen, um ihn wieder freizukaufen. Was aus der Besatzung wurde, ist nicht bekannt. Auch Erks Sohn Bunde Erk Geicken war Kapitän und hat 1718 Gondel Lorenz Hahn, eine Tochter von Lorenz Petersen de Hahn, geheiratet. 1719 kam er bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Erk Bleik Erkens Tochter Gondel Erk Bleicken wurde am 12.04.1812 geboren (sechs Jahre vor dem Seemannstod ihres Vaters) und verstarb am 18.01.1871. Sie heiratete am 21.08.1839 in Tinnum den Seefahrer und Steuermann Meinert Peter Frödden, der am 26.09.1849 mit weniger als 40 Jahren ums vermutlich bei einem Schiffsunglück Leben kam. Ihr gemeinsamer Sohn Peter Meinert Frödden erlernte ebenfalls in früher Jugend den Beruf des Seefahrers. Beim Untergang seines Schiffs vor Brasilien wurde er gefangen genommen und lebte einige Jahre in der Sklaverei. Am 13.03.1861 starb er in diesem „elenden Zustand“ am Gelbfieber. Obwohl sein Geburtsdatum nicht bekannt ist, kann man sicher vermuten, dass er nicht älter als 20 Jahre wurde! Friedrich Frödden, ein aus Tinnum stammender Vorfahre von Meinert Peter Frödden, war ein erfolgreicher Schiffskapitän, der um 1787 in London lebte und aus seinem Vermögen die erste Orgel von Sylt für die Keitumer Kirche spendete.

Erk Bleick Ercken ist ein Nachfahre meiner frühesten Sylter Vorfahren Niß Schmitt (geboren um 1625), Tam Peters (geboren um 1625) und Jasper Rasmussen (geboren um 1594). Erk ist der Ur-Ur-Urenkel und wurde am 30.10.1774 in Tinnum geboren. Am 19.12.1799 hat er Anna Jacobsen geheiratet und mit ihr fünf Kinder gezeugt. Die jüngste Tochter ist die am 28.07.1816 geborene Inken Boysen Bleicken, meine Ur-Ur-Urgroßmutter.

In der Familie Bleicken hatte die Seefahrt eine über die Generationen hinweg reichende Tradition. Inken Boysen Bleickens Urgroßvater Erck Bleicken (geboren am 20.09.1709 in Keitum und gestorben 1744 mit knapp 35 Jahren auf See, siehe nachfolgenden zeitgenössischen Bericht), sein Sohn Bleik Erich Erken (geboren am 05.08.1738 und gestorben mit 39 Jahren am 03.12.1777 bei einem Schiffsunglück vor der nördlichsten dänischen Wattinsel Fanöe, bei dem auch sein Schiff verloren ging), sein Enkel Erk Bleik Erken (geboren am 30.10.1774 gestorben im Jahr 1818 mit knapp 44 Jahren auf See) sowie seine Ur-Enkel Boy Dirk Boysen (11.11.1800 bis 26.04.1882) und Jacob Erk Bleiken (11.11.1804 bis 1818) Seefahrer waren.

Erk Bleicken aus Keitum kam vermutlich bei einem Schiffsunglück am 15.03.1744 ums Leben. Am Vortag war er zusammen mit 90 anderen überwiegend Sylter Seeleuten auf dem Boot von Schiffer Theide Bohn von Morsum aus in Richtung Amsterdam aufgebrochen, um in Amsterdam Heuer auf einem Walfangschiff zu suchen. In der Nacht entwickelte sich ein heftiger Südweststurm mit Schneeböen und trieb das Schiff zurück. Allerdings konnte der Schiffer wegen der eingeschränkten Manövrier-Fähigkeit des flachen Schmackschiffs die Hörnumtiefe nicht mehr ansteuern und fuhr in Richtung Norden entlang der Sylter Westküste, um über die Listertiefe die schützende Ostseite zu erreichen. Fatalerweise ließ Theide Bohn gegen Mittag das Topsegel setzen, um schneller aus dem Sturm zu kommen. Als eine schwere Böe das Schiff traf, beugte sich der Mast weit zur Seite über und ein schweres Ankertau, das in der Mitte des Schiffes befestigt war, löste sich und rutschte über die Bordwand. Winddruck und die Zugkraft des Ankertaus brachte die Schmack zum Kentern. Acht Seeleute konnten sich auf den flachen Schiffsboden retten und später mit einem Beiboot an Land gelangen, alle anderen einschließlich des Schiffers ertranken. 84 Familien verloren ihren Mann oder Sohn und oft ihren Ernährer. Am 10. September des selben Jahres 1744 ereignete sich ein ähnliches Unglück bei der Kniep-Sandbank westlich von Amrum bei der Rückkehr von 100 Walfängern, die mit der Schmack des Föhrer Schiffers Pai Mellefs aus dem Ausschiffungshafen nach Hause unterwegs waren. Bei diesem Schiffsunglück starben 64 Seeleute von Föhr, 11 von Langeneß, 7 von der Nordmarsch und 3 Sylter (nach C.P. Hansen).

Die Schmack-Schiffe („friesische“ Schmack), auch als Gaffelrigg bezeichnet entstanden im 16. Jahrhundert als Frachtsegler für die Küsten- und Wattfahrt. Zuerst handelt es sich um ein einmastiges Schiff, im 18. Jahrhundert wurden die Schiffe größer und erhielten anderthalb oder zwei Masten. Die Schiffe hatten eine füllige Form und einen flachen Boden, damit sie mit niedrigem Tiefgang im Wattenmeer fahren konnten. Nachfolger des Schmack-Schiffs war ab dem 18. Jahrhundert die größere Kuff.

Erk Bleik Erken und sein Sohn Jacob Erk Bleiken, der in dem Jahr gerade 13 Jahre alt war, fuhren 1818 gemeinsam auf einem Schiff in Richtung Kap Hoorn. Das Schiff ging vor Patagonien unter, Erk Bleik und sein Sohn Jacob Erk wurden vermisst und tauchten nie wieder auf. Nur der Ur-Enkel Boy Dirk Boysen, der als Schiffsführer tätig war, beendet sein Leben mit 81 Jahren am 26.04.1881 an Land in Tinnum.

Erk Geicken, der um 1650 in Westerland geboren wurde, zu dem über die Familienzweige Erken, Petersen, Schmidt ein indirektes Verwandtschaftsverhältnis besteht, war 1693 als Kapitän mit seinem Schiff vor Nordafrika unterwegs, als das Schiff von Piraten angegriffen und aufgebracht wurde. Kapitän und Besatzung wurden in Algier auf dem Sklavenmarkt verkauft. Die Familie legte das vorhandene Vermögen zusammen, um ihn wieder freizukaufen. Was aus der Besatzung wurde, ist nicht bekannt. Auch Erks Sohn Bunde Erk Geicken war Kapitän und hat 1718 Gondel Lorenz Hahn, eine Tochter von Lorenz Petersen de Hahn, geheiratet. 1719 kam er bei einem Schiffsunglück ums Leben.

Erk Bleik Erkens Tochter Gondel Erk Bleicken wurde am 12.04.1812 geboren (sechs Jahre vor dem Seemannstod ihres Vaters) und verstarb am 18.01.1871. Sie heiratete am 21.08.1839 in Tinnum den Seefahrer und Steuermann Meinert Peter Frödden, der am 26.09.1849 mit weniger als 40 Jahren ums vermutlich bei einem Schiffsunglück Leben kam. Ihr gemeinsamer Sohn Peter Meinert Frödden erlernte ebenfalls in früher Jugend den Beruf des Seefahrers. Beim Untergang seines Schiffs vor Brasilien wurde er gefangen genommen und lebte einige Jahre in der Sklaverei. Am 13.03.1861 starb er in diesem „elenden Zustand“ am Gelbfieber. Obwohl sein Geburtsdatum nicht bekannt ist, kann man sicher vermuten, dass er nicht älter als 20 Jahre wurde! Friedrich Frödden, ein aus Tinnum stammender Vorfahre von Meinert Peter Frödden, war ein erfolgreicher Schiffskapitän, der um 1787 in London lebte und aus seinem Vermögen die erste Orgel von Sylt für die Keitumer Kirche spendete.

https://www.bod.de/…/sylt-erinnerungen-einer-familie-juerge…

Jürgen Kaack 01.12.2018, 14.32

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