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Tag: Breitband

Förderprogramme für den Breitbandausbau optimieren

Wenn der eigenwirtschaftliche Ausbau der Breitbandinfrastruktur durch Netzbetreiber nicht wirtschaftlich ist und auch andere Geschäftsmodelle ohne finanzielle Zuwendungen an Dritte nicht funktionieren, bleiben die Förderprogramme für den Breitbandausbau. Die Förderprogramme haben gemeinsam, dass sie einen Eingriff in den Wettbewerbsmarkt darstellen und die Fördermittel letztlich aus Steuermitteln gespeist werden. Dies hat zur Folge, dass der Einsatz von Fördermitteln unter strikten Vorgaben und mit Einschränkungen versehen sind.

Insbesondere das Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau hat einiges im Hinblick auf die Breitbandversorgung bewirkt. Nahezu alle Kommunen beschäftigen sich mittlerweile mit dem Thema Breitband, Bürger fragen nach Verbesserungen bei der Versorgung und das allgemeine Bewusstsein für die Bedeutung einer guten Breitbandversorgung ist gestiegen. Auch setzt sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass nur durchgehende Glasfaser-Leitungen eine zukunftssichere Versorgung ermöglichen. Die hohe Akzeptanz des Förderprogramms dokumentiert sich nicht zuletzt dadurch, dass die vorhandenen Mittel in vorläufigen Förderzusagen gebunden sind. Zunehmend mehr Vorhaben kommen zwar spät, aber immerhin doch in die Umsetzung. So werden Zug um Zug die vorhandenen weißen Flecken beseitigt werden. Aber bis zu einer flächendeckenden Versorgung mit Glasfaser-Hausanschlüssen ist es noch ein weiter Weg. Es zeigt sich aber auch, dass bei dem Förderprogramm noch einiges Optimierungspotenzial vorhanden ist.

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Jürgen Kaack 04.06.2018, 15.07 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Rückblick auf Innovationsprojekt T-City

Das Innovationsprojekt T-City wurde nach einem aufwändigen Ideen-Wettbewerb 2007 der Stadt Friedrichshafen zugeschlagen. In den folgenden Jahren sollten mit der Deutschen Telekom als Partner Breitbandanwendungen für alle Bereiche des privaten, beruflichen und öffentlichen Lebens entwickelt werden. Dabei war Voraussetzung, dass neben dem Technikpartner Deutsche Telekom jeweils ein lokalen / regionaler Partner mitwirkt. Ein Projekt mit so unterschiedlichen Partnern ist nicht einfach und Entscheidungsprozesse komplex.

Ich war von 2007 bis 2009 als Projektleiter für die Stadt an dem Vorhaben beteiligt und in dieser Zeit wurde nicht nur die Organisation des Projektbüros und die Abstimmungsprozesse etabliert, es wurden immerhin 40 Innovationsprojekte in den definierten Projektfeldern gestartet werden.

Nach Abschluss des Projektes wurden die Erkenntnisse wissenschaftlich aufbereitet und in Form eines Buches mit dem Titel "Smart City konkret" veröffentlicht. Ich habe hierfür ebenfalls ein kurzes Kapitel beigetragen. Das lesenwerte Buch gibt eine gute Übersicht über eine interessant und immer noch aktuelle Thematik. Es wäre zu wünschen, dass man ähnliche Projekte unter Vermeidung der damals erkennbaren Fehler aufgreift. Für komplexe Vorhaben wie Digitalisierungsprojekte bietet sich eine kooperative Durchführung ja durchaus an.

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Jürgen Kaack 02.06.2018, 19.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Fallbeispiele für den Ausbau von Infrastrukturen für schnelles Internet

Für den Breitbandausbau gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen und Geschäftsmodelle. Der größte Teil des Ausbaus erfolgt unverändert auf eigenwirtschaftlicher Grundlage durch die Netzbetreiber. Dabei mögen die Gründe in der erwartenden Rendite liegen, strategischen Ansätzen zum Aufbau der Infrastruktur oder in wettbewerbstaktischen Überlegungen zur Fernhaltung von anderen Netzbetreibern. Dieser eigenwirtschaftliche Ausbau lässt sich von außen eigentlich nicht beeinflussen (mit der wichtigen Ausnahme der politisch gesetzten Rahmenbedingungen wie z.B. der Regulierung). Die durch Gebietskörperschaften beeinflussbaren Geschäftsmodelle habe ich aus der Erfahrung vieler Projekte in folgende Cluster unterteilt:

  • Ausbau nach finanziellen Zuwendungen zum Ausgleich einer Deckungslücke beim Netzbetreiber
  • (nicht-finanzielle) Motivation von Netzbetreibern zum Ausbau       
  • Ausbau durch Stadtwerke      
  • Kooperationen mit Infrastrukturbetreibern, die keine Netzbetreiber sind
  • Gründung von kommunalen Infrastrukturbetreibern      
  • Genossenschaften oder Zweckverbände als interkommunale Vorhaben
  • Ausbau mit bürgerschaftlichem Engagement      
  • Einbringung von vorhandenen Infrastrukturen und Nutzung von Sanierungsarbeiten im Straßenraum 

Bis Mitte letzten Jahres habe ich Fallbeispiele aus eigener Projekttätigkeit für Kreise, Kommunen und Stadtwerke veröffentlicht. Da ich mit Aufnahme der Projekt-Tätigkeit für das Breitband-Kompetenzzentrum in NRW im Februar 2016 keine eigenen Förderprojekte in NRW als Berater begleite, gibt es von mir erst mal keine neuen Fallbeispiele.

Die aus meiner Sicht sinnvollen Geschäftsmodelle sowie die rechtlichen und technischen Grundlagen habe ich zusammen mit zum Teil sehr ausführliche beschriebenen Fallbeispielen in dem Buch „Schnelles Internet in Deutschland - Geschäftsmodelle und Fallbeispiele für den Ausbau“ zusammengestellt. Der Stand des Inhaltes ist somit Frühjahr 2016 und seither hat sich einiges verändert. Insbesondere das Bundesförderprogramm hat zu Veränderungen im Markt beigetragen. Je mehr geförderter Ausbau stattfindet, desto weniger Potenzial verbleibt für eigene Infrastruktur-Vorhaben von Gebietskörperschaften und Stadtwerken (mit Ausnahme von denjenigen, die bereits mit dem Ausbau begonnen haben). Auch für neue Zweckverbände gibt es wohl kaum noch tragfähige Ansätze.

Die beschriebenen Geschäftsmodelle sind aber unverändert relevant und neue Ansätze sind nach meiner Erkenntnis nicht hinzugekommen. Die Möglichkeiten zur Einflussnahme der Gebietskörperschaften sind immer noch so wie in meinem Buch beschrieben. Insbesondere die Einsetzung von hauptamtlichen Breitbandkoordinatoren in Kreisen und kreisfreien Städten in NRW hat sich nach meinem Eindruck sehr bewährt. Bei den Fallbeispielen finden sich zwar auch eine Reihe von Vorhaben, die auf den FTTB-Ausbau gesetzt haben, die Mehrzahl erfolgte aber doch mit FTTC-Lösungen, da Angebote zum FTTB-Ausbau in Förderprojekten eigentlich erst seit Anfang 2017 in nennenswertem Umfang eingehen. Das in den Fallbeispielen in meinem Buch beschriebene Vorgehen ist bis auf die spezifischen Anforderungen der Förderprogramme immer noch gültig.

Aktuelle Fallbeispiele (aber auch eine Reihe von in meinem Buch beschriebenen) finden sich z.B. auf der Seite des Kompetenzzentrums Gigabit.NRW unter diesem Link.

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Jürgen Kaack 02.06.2018, 10.08 | (1/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Digitalisierung braucht Glasfaser!

Mitte 2018 besteht Einvernehmen, dass der Breitbandausbau mit durchgehenden Glasfaser-Trassen bis zum Hausanschluss erfolgen sollte, um zu nachhaltigen Infrastrukturen zu kommen. Als ich dies vor etwa zehn Jahren gefordert habe, und zwar auch für den ländlichen Raum, stand ich damit ziemlich alleine. Das Interesse der Netzbetreiber lag damals auf der möglichst langfristigen Ausnutzung der zum Teil schon vor 100 Jahren verlegten Kupferdoppelader. Betriebswirtschaftlich ist das verständlich, Politik und Regulierer sollten aber eher das volkswirtschaftliche Interesse im Blick haben. In den zehn Jahren hätte man viel erreichen können durch den konsequenten Aufbau eines passiven Leerrohrnetzes, mit dem man heute große Teile der Republik mit Glasfaser ausrüsten könnte. Leider ist es beim "könnte" geblieben und heute braucht man Steuergelder, um die jetzt natürlich vorhandenen Deckungslücken auszugleichen.

Anstatt schon vor Jahren die Förderung des Breitbandausbaus in unterversorgten Flächen mit Glaasfaser-Infrastruktur voranzutreiben, hat der Staat auf die Förderung zur Ertüchtigung der vorhandenen Kupfer-Anschlussnetze gesetzt. Noch bei dem im Dezember 2015 veröffentlichten Bundesförderprogramm zum Breitbandausbau ist eine Präferenz für diesen Weg mit dem Ausbau der FTTC-Netze ("Fiber -To-The-Curb") herauszulesen. Entsprechend haben Netzzbetreiber in den ersten Förderaufrufen bevorzugt FTTC-Lösungen angeboten. Unter großzügiger Auslegung der Förderrichtlinie haben schon früh Gebietskörperschaften für unterversorgte Gebiete Mindestbandbreiten von 100 Mbit/s im Up- und Downstream gefordert, die eigentlich nur mit Richtfunk oder Glasfaser-Anschlussnetzen realisiert werden können. Es zeichnet sich ab, dass zukünftig nur noch Netzinfrastrukturen auf der Basis von FTTB ("Fiber-To-The-Building") förderfähig sind - spät aber immerhin!

Durchgehende Glasfaser-Anbindungen sind die Voraussetzung für die Digitalisierung. Dabei geht es nicht nur um die reine Übertragungsgeschwindigkeit, im Massenmarkt sind derzeit keine Anwendungen vorhanden oder in nächster Zeit zu erwarten, die mehr als 100 Mbit/s benötigen. Aber die steigende Nutzung von Cloud-Diensten erfordert schnelle Upload-Geschwindigkeiten und symmetrische Bandbreiten. Zunehmend mehr Anwendungen in Industrie 4.0, Medizin und z.B. beim autonomen Fahren erfordern kurze Latenzzeiten, hohe Verfügbarkeit bei niedrigen Ausfallzeiten. Und natürlich wächst das zu übertragende Datenvolumen weiterhin stetig, derzeit mit ca. 20% im Jahr. Mittelfristig gibt es keine Alternative zu Glasfaser-Infrastrukturen.
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Jürgen Kaack 31.05.2018, 12.44 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Mein persönlicher Jahresrückblick 2017

Das Jahr 2017 war in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert und erfolgreich. STZ-Consulting ist seit 15 Jahren erfolgreich tätig. Das Bewusstsein und das Engagement für einen nachhaltigen Breitband-Ausbau ist gestiegen, wobei das Bundesförderprogramm im positiven Sinne als Katalysator gewirkt hat. 2017 hat mir die Zeit gegeben, einige längere „gärende“ Buchprojekte in Tat umzusetzen und zu veröffentlichen. Meine mehrjährige Familienforschung hat 2017 mit zahlreichen unerwarteten neuen Erkenntnissen aus dem niedersächsischen und baden-württembergischen Raum einen kräftigen Schub erhalten. Aus meiner Gesamt-Chronik sind noch im Dezember zwei unabhängige Bücher entstanden.

 

Zu den Details:

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Jürgen Kaack 27.12.2017, 14.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Buch-Veröffentlichungen in 2017



In diesem Jahr habe ich endlich die Zeit gehabt, um einige zum Teil schon länger vorbereitete Texte in Buchform zu bringen. Zwei Werke behandeln Breitband-Themen, andere allgemeine Management-Fragen. Daneben habe ich eine Autobiographie mit Darstellung meiner Erfahrungen mit Unternehmensgründungen zusammengestellt und die Ergebnisse meiner Hobby-Tätigkeit in der Familienforschung in Buchform gebracht, darunter eine mit den Geschichten von Vorfahren verwobene Geschichte der Insel Sylt von 1600 bis ca. 1950.


Die Bücher finden sich als Print- oder eBook-Variante u.a. beim Verlag Bod, im Buchhandel oder auch bei Amazon.

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Jürgen Kaack 21.12.2017, 17.39 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Autobiografie:

Wie geht man eine Unternehmensgründung an und was bedeutet die Gründung für dei persönliche und berufliche Situation. In meiner Autobiographie habe ich u.a. zwei recht unterschiedliche Unternehmensgründungen beschrieben. Aber auch Veränderungen im Telekommunikationsbereich innerhalb einer Zeitspanne von 35 Jahren werden aus der subjektiven Sicht des Autors geschildert.

Wie der Titel andeutet, soll das Buch ermuntern, Veränderungen aktiv zu gestalten und auch Unternehmensgründungen als reale Option für die eigene Karriereplanung zu betrachten. Bei der Darstellung kommen auch die manchmal schwierige Wechselwirkung von privatem und beruflichen Leben nicht zu kurz. Die Gratwanderung erfordert u.U. eine Entscheidung für die eine oder andere Seite. 

Das eBook ist u.a. bei BoD und Amazon erhältlich.

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Jürgen Kaack 04.12.2017, 12.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Digitalisierung und die Migration zu Glasfaser-Netzen

Seit Jahren ist die Versorgung mit schnellem Internet bei Politik, Unternehmen und Bürgern in der Diskussion. Alle haben erkannt, dass schneller Internetzugang für die Volkswirtschaft und im internationalen Vergleich unerläßlich ist. Auch ist mittlerweile unumstritten, dass nur die bis zum Hausanschluss durchgehende Glasfaserleitung auch zukünftig ausreichende Leistung ermöglicht. Trotzdem kommt der Bau von Glasfaser-Hausanschlüssen nicht richtig voran und liegt in Deutschland 2017 noch unter 10%.

Eine Ursache sind Brückentechnologien wie Vectoring und Koaxialkabelnetze der Kabelnetzbetreiber, die heute in den meisten Fällen ausreichende Leistungen bieten. Kurzfristig gedacht, sind diese Infrastrukturen für den Vectoring-Dienst, die die zum Teil 100 Jahre alten Kupferdoppelader-Leitungen zum Haus nutzen, schneller und kostengünstiger zu errichten. Eine andere Ursache ist fehlende Weitsicht und Wechselbereitschaft der Kunden - Privathaushalte und Betriebe gleichermaßen. Das Bundesförderprogramm von 2015 hat in fünf Förderaufrufen trotz aller bürokratischen Hürden eine sehr hohe Resonanz gefunden. Sofern alle Bewilligungen umgesetzt werden, dürften ca. € 12 Mrd. an Investitionen ausgelöst werden. Als Folge ist jetzt schon eine deutliche Steigerung der Tiefbaukosten zu verzeichnen. Möglicherweise werden alleine aus diesem nicht alle bewilligten Vorhaben umgesetzt werden können.

Mit der derzeit EU-weit gültigen Aufgreifschwelle von 30 Mbit/s für öffentliche Investitionen verbleiben bei erfolgreicher Umsetzung kaum noch mit öffentlichen Geldern ausbaubare Bereiche. Erhöht man die Aufgreifschwelle auf 100 Mbit/s wird es kaum eine Bewegung in Richtung von Glasfaser-Anschlussnetzen geben. Erhöht man die Förderfähigkeit in den Gigabit-Bereich mit symmetrischen Geschwindigkeiten für Up- und Downstream, sind ca. 80% aller Anschlüsse auf einen Schlag förderfähig.

Ist ein neues um ein Vielfaches größeres Förderprogramm die Lösung, um Glasfaser-Anschlüsse in Deutschland schneller voranzubringen? Aus Sicht des Autors wäre das nicht die beste Lösung. Er geht von neuen Ansätzen aus, die regionale und lokale Infrastrukturbetreiber einbeziehen oder neu entstehen lassen. Die Konzeptstudie ist Mitte 2017 entstanden und beschreibt mögliche Geschäftsmodelle und konzeptionelle Ansätze, mit denen ein Ausbau über eine längere Sicht (bis zu 20 Jahren) und unter Nutzung von anderen Tiefbaumaßnahmen gelingen. Die Motivation und Einbeziehung der Bürger mit Weckung des bürgerschaftlichen Engagements wird aber ein wesentlicher Erfolgsfaktor, der letztlich höher zu bewerten ist als höhere Fördermittel.

Die Befunde und Ideen für den Weg in flächendeckende Glasfaser-Anschlussnetze und in die Digitalisierung der Lebensbereiche beschreibt die Konzeptstudie, die nur als eBook erhältlich ist beim Verlag BoD oder anderen Händlern, z.B. Amazon und kostet € 3,99.
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Jürgen Kaack 26.11.2017, 10.29 | (0/0) Kommentare | TB | PL

DigiNetzGesetz nicht zur Verhinderung von Betreiberprojekten mißbrauchen

Für den Ausbau der Glasfaser-Anschlussnetze halte ich die Nutzung anderer Tiefbaumaßnahmen zur Mit-Verlegung von Leerrohren und damit zur Senkung der Tiefbaukosten für eine sinnvolle Vorgehensweise. In vielen Fällen ist nur auf diesem Wege ein wirtschaftlicher Ausbau der Anschlussnetze möglich. Das im November 2016 verabschiedete DigiNetzGesetz gibt interessierten Nutzern das Recht zur Mitnutzung. Es liegen zwar noch nicht alle notwendigen Ausgestaltungen für dieses Gesetz vor,  so dass eine Reihe von offenen Punkten bleiben, z.B. die Ermittlung der angemessenen Kostenbeteiligung an einer Tiefbaumaßnahme. Sin nur die Mehrkosten für die Einbringung des eigenen Leerrohres oder eine möglicherweise Verbreiterung des Grabens zu zahlen, oder ist auch eine anteiligen Kostenübernahme für den eigentlichen Graben vorzusehen. Genauere und vor allem praktikable Regelungen wären hilfreich.

 

Wie das im DigiNetzGesetz festgeschriebene Mitverlegerecht eine geplante Ausbaumaßnahme bzw. das Betreibermodell des Infrastrukturbetreibers für ein Breitband-Anschlussnetz aber auch behindern kann, zeigt das Beispiel aus dem Landkreis Karlsruhe. Hier haben die  Netzbetreiber Deutsche Telekom und Unitymedia das Recht eingeklagt, die von der Gemeinde geplante Baumaßnahme zur Schaffung eines Glasfaser-Anschlussnetzes nutzen zu dürfen, um eigene Breitband-Anschlüsse zu verlegen. Mehr Angebote schaffen zwar Wettbewerb zum Vorteil der Kunden, ein Wettbewerb bei Leerrohrnetzen ist aber nicht sinnvoll. Die parallele Verlegung von Anschlussnetzen ist eigentlich nicht erforderlich, wenn der offene Netzzugang zu marktgängigen Preisen möglich ist. Ich habe schon vor längerem vorgeschlagen, die Möglichkeiten zur Vergabe einer Konzession für ein Glasfaser-Anschlussnetz zu prüfen. Dieser Art der Nutzung des DigiNetzGesetzes könnte die Umsetzung von Ausbaumaßnahmen von Stadtwerken und Kommunen nach dem Betreibermodell massiv beeinträchtigen. Wer will Anschlussnetze bauen, wenn er nicht sicher sein kann, ob die geplanten Kundenzahlen erreicht werden und ein Projekt vielleicht nie die Amortisationsgrenze erreicht. Hier sollte vom Gesetzgeber dringend unterbunden werden, dass das DigiNetzGesetz so ausgelegt wird, dass Baumaßnahmen zur Verlegung von Glasfaser-Anschlussnetzen zur Schaffung von parallelen Infrastrukturen missbraucht werden - zumindest dann nicht, wenn ein offener Zugang zu den Leerrohren und Anschlussnetzen zu marktüblichen Mietpreisen gewährleistet ist. Die Ausbauaktivität insbesondere von Stadtwerken und Kommunen ist aus meiner Sicht dringend erforderlich, um das Ziel einer flächendeckenden Glasfaserversorgung in Deutschland in knapp zehn Jahren zu erreichen.

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Jürgen Kaack 19.08.2017, 11.46 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Vorprodukte für Vectoring-Ausbau von der EU genehmigt

Die EU-Kommission hat den Netzbetreibern Deutsche Telekom, DNS:NET und NetCologne die Vorprodukte für Vectoring genehmigt, die anderen Netzbetreibern den Zugang zum Vectoring-Netz ermöglichen, ohne einen physischen Zugang zu bieten. Mit diesen "VULA"-Vorprodukten wird somit auch der Ausbau der Vectoring-Netze förderfähig. VULA ist ein ungebündeltes virtuelles Zugangsprodukt auf der Basis eines Bitstream-Zugangs. Für Kreise, die in den ersten Förderrunden im Bundesförderprogramm einen Antrag auf Basis eines FTTC-Ausbaus gestellt haben, ist das eine gute Nachricht, da ihre Vorhaben jetzt eine Rechtsgrundlage erhalten. 

 

Ansonsten ist die Förderfähigkeit von Brückentechnologien ein erheblicher Rückschritt, da Vectoring-Netze in absehbarer Zeit wieder überbaut werden müssen mit Glasfaser-Anschlussnetzen. Sowohl Bund als auch das Land fordern einen flächendeckenden FTTB-Ausbau bis 2025. Für dieses Ziel ist ein Vectoring-Ausbau kontraproduktiv und schädlich. Antragsteller für einen geförderten Breitband-Ausbau können aber bereits heute diese Falle umgehen, indem im Förderantrag eine symmetrische von mindestens 100 Mbit/s-Leistung gefordert wird. Vectoring ermöglicht im Upstream derzeit nur bis zu 40 Mbit/s. Für die Antragsteller aus den ersten Förderrunden zum Bundesförderprogramm hatten zum Teil keine andere Wahl als auf einen FTTC-Ausbau mit Vectoring-Technik zu setzen, da in der Interessenbekundung kein Netzbetreiber einen FTTB-Ausbau in Aussicht gestellt hat. Mit der Genehmigung der VULA-Produkte wird dem formalen Anspruch auf einen offenen Netzzugang Rechnung getragen, ob dieses Angebot in der Praxis von anderen Netzbetreibern in größerem Umfang genutzt wird, bleibt abzuwarten. Skepsis zu einer marktwirtschaftlichen Auswirkungen erscheinen angebracht.

 

Den Pressetext der EU-Kommission zu der aktuellen Entscheidung findet sich unter diesem Link.

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Jürgen Kaack 17.08.2017, 12.27 | (3/1) Kommentare (RSS) | TB | PL