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Tag: Smart-City

Rückblick auf Innovationsprojekt T-City










Das Innovationsprojekt T-City wurde nach einem  Ideen-Wettbewerb 2007 der Stadt Friedrichshafen zugeschlagen. In den folgenden Jahren sollten mit der Deutschen Telekom als Partner Breitbandanwendungen für alle Bereiche des privaten, beruflichen und öffentlichen Lebens entwickelt werden. Dabei war Voraussetzung, dass neben dem Technikpartner Deutsche Telekom jeweils ein lokalen / regionaler Partner mitwirkt. Ein Projekt mit so unterschiedlichen Partnern ist nicht einfach und Entscheidungsprozesse komplex. 

Ich war von 2007 bis 2009 als Projektleiter für die Stadt an dem Vorhaben beteiligt und in dieser Zeit wurde nicht nur die Organisation des Projektbüros und die Abstimmungsprozesse etabliert, es wurden immerhin 40 Innovationsprojekte in den definierten Projektfeldern gestartet werden.

Nach Abschluss des Projektes wurden die Erkenntnisse wissenschaftlich aufbereitet und in Form eines Buches mit dem Titel "Smart City konkret" veröffentlicht. Ich habe hierfür ebenfalls ein kurzes Kapitel beigetragen. Das lesenwerte Buch gibt eine gute Übersicht über eine interessant und immer noch aktuelle Thematik. Es wäre zu wünschen, dass man ähnliche Projekte unter Vermeidung der damals erkennbaren Fehler aufgreift. Für komplexe Vorhaben wie Digitalisierungsprojekte bietet sich eine kooperative Durchführung ja durchaus an.

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Jürgen Kaack 02.06.2018, 19.51 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Breitband-Anwendungen für Smart-City auf der Basis von Glasfasernetzen

Glasfaser-Anschlüsse als nachhaltige Infrastruktur

Glasfaser-Hausanschlüsse sind „in“ und gelten zu recht als Inbegriff einer nachhaltigen Telekommunikations-Infrastruktur. Daher beschäftigen sich zunehmend mehr Kommunen, Kreise und Stadtwerke mit Konzepten für einen Netzausbau. Der Aufwand ist nicht unerheblich, da für einen Glasfaser-Anschluss zunächst eine Verbindung zwischen dem Netzknoten und der Hauswand hergestellt werden. Üblicherweise müssen hierfür dünne Leerrohre, sogenannte Microducts, unterhalb der Bürgersteige verlegt werden. Durch Nutzung von Synergien durch gemeinsame Verlegung mit anderen Tiefbaumaßnahmen, z.B. Sanierungsvorhaben, lassen sich die Kosten von ansonsten durchschnittlich 1.200 € pro Anschluss deutlich senken. Beim Ausbau in einer Kommune entstehen trotzdem hohe Investitionskosten.

Unter wirtschaftlichen Aspekten lohnen sich diese Investitionen, wenn sich ein möglichst hoher Teil der Bevölkerung für die Nutzung des neuen Anschlusses entscheidet. Welche Quote dabei erzielt werden muss, hängt von den jeweiligen Voraussetzungen und den Zielen des verlegenden Unternehmens ab. Sie wird aber in den meisten Fällen zwischen 30 und 60% liegen.

Hürden für den Netzaufbau

Der Wechsel vom bisherigen Anbieter wird im Wesentlichen von zwei Aspekten erschwert, dem Beharrungsvermögen beim bisherigen Provider (Anbieter-Loyalität) und einem nicht immer vorhandenen oder erkannten Bedarf an höheren Bandbreiten. Schon mit 6 MBit/s können viele Standard-Anwendungen im Internet erledigt werden. Mit 25 MBit/s kann ein HD-Fernsehprogramm empfangen werden. Wenn nicht mehrere Nutzer gleichzeitig volumenintensive Anwendungen ausführen, reichen 50 MBit/s noch über längere Zeit aus. In manchen Gebieten ist ein „klassischer“ Ausbau mit Fiber-to-the-Curb z.B. für VDSL allerdings weder wirtschaftlich noch aufgrund der Leitungsdämpfung effizient. Dann bleibt neben Funk als Brückentechnologie nur ein Glasfaser-Ausbau. In schlecht versorgten Gebieten reicht das Angebot schneller Internetzugänge meist schon aus, um eine ausreichende Nutzerzahl zu generieren. In anderen Fällen ist neben der höheren Internet-Geschwindigkeit an neuen Breitband-Anwendungen zu arbeiten, die zu einem Wechsel motivieren.

Breitband-Anwendungen für eine Smart-City

Neben den Standard-Anwendungen wie Telefonie, Internet und Fernsehen (Triple-Play) ermöglicht ein offenes NGA-Netz die Realisierung von „kleineren“ und regional begrenzt interessanten Breitband-Anwendungen. Dabei können Unternehmen, Organisationen und Vereine eigene Anwendungen als Dienste realisieren und über die Diensteplattform dem Nutzer zur Verfügung stellen. Es gibt kaum Grenzen für solche Anwendungen. Von Online-Diensten für Kultur- und Sportvereine, lokale Fernsehsender mit Beiträgen über Vorgänge, die keinen Eingang in überregionale Sender finden, über Transparenzangebote der Verwaltung, Mitmach-Vorhaben der Kommunalpolitik (eParticipation), Bildungsangebote der Schule bis hin zu rein kommerziellen Cloud-Computing Diensten. Älteren und pflegebedürftigen Menschen kann durch den Einsatz medizinischer Unterstützung und Überwachung ein länger selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.

Im Bereich der Wohnungswirtschaft kann über vernetzte Hausautomations-Lösungen (Smart-Home) eine höhere Attraktivität für die Mietobjekte geschaffen werden, mit Video- und Sensor-Überwachung kann die Sicherheit erhöht werden und mit Überwachung und Steuerung von elektrischen Verbrauchern lässt sich der Stromverbrauch reduzieren. Mithilfe einer intelligenten Steuerung von lokalen Energieverbrauchern und –erzeugern kann der Stromzukauf und -transport minimiert werden (Smart-Grid). Für Stadtwerke entstehen so neue technische Möglichkeiten zur effizienten Netzsteuerung.

Neben den kommerziell ausgerichteten Angeboten ermöglicht ein offenes Breitband-Netz die Umsetzung von Anwendungen, die überwiegend aus bürgerschaftlichem Engagement oder ehrenamtlich geprägt sind. Damit sich diese Initiativen bilden können, bedarf es unter Umständen einer Unterstützung und Koordination durch den Kreis oder die Kommune. Gemeinsam mit dem Netzbetreiber müssen die technischen Voraussetzungen und Anbindungen geschaffen werden. Neben der Koordination durch die öffentliche Verwaltung sollte eine Überwachung der Angebote erfolgen, damit weder illegalen Aktivitäten noch verfassungsfeindlichen Organisationen eine Plattform geboten wird. Insbesondere diese Kontrollfunktion kann in Zukunft eine besondere Herausforderung für offene Glasfaser-Netze darstellen.

T-City Projekt in Friedrichshafen als Lehrbeispiel

Ein Beispiel für die Erprobung unterschiedlicher Breitband-Anwendungen in einer Kommune ist das T-City-Projekt in Friedrichshafen. Anhand der dort gewonnenen Erkenntnisse können andere Kommunen ihre eigenen Smart-City Aktivitäten gestalten. Das Innovationsprojekt T-City wurde Anfang 2007 nach einem großen Wettbewerb zahlreicher Städte an Friedrichshafen vergeben und mit einer Laufzeit von fünf Jahren gestartet. Die gewinnende Stadt erhielt nicht nur einen weitgehend flächendeckenden Ausbau mit Breitband nach dem immer noch aktuellen VDSL-Standard und darüber hinaus ein Budget für die Umsetzung von innovativen Breitband-Anwendungen in allen Lebensbereichen. Eine Voraussetzung für die Auswahl von Projekten war das gemeinsame Interesse von beiden Projektpartnern Deutsche Telekom und der Stadt Friedrichshafen sowie die Einbindung eines Projektpartners aus der Region. Im Februar 2012 ging die 5-jährige Projektlaufzeit zu Ende. Die Bewertung eines Projektes dieser Größenordnung wird immer subjektiv je nach Perspektive ausfallen und so ist auch die nachfolgende Einordnung subjektiv geprägt.

Als Innovationsprojekt ist T-City in beachtlichem Maße erfolgreich. Während der Laufzeit konnten über 40 Vorhaben gemeinsam von der Deutschen Telekom mit unterschiedlichen Partnern in der Stadt Friedrichshafen geplant und umgesetzt werden. Unter Berücksichtigung der Breite der fünf Innovationsfelder und der Komplexität der Vorhaben von Gesundheits- über Bildungs-, Verwaltungs-, Wirtschafts- bis zu Verkehrsthemen konnte eine funktionierende Zusammenarbeit mit vielen Partnern etabliert werden. Für das Projekt-Management stellt diese Breite an Themen und Partnern eine Herausforderung dar. Im Nachhinein hätte das Projektmanagement vermutlich vereinfacht werden können, wenn es eine integrierte Projektorganisation von Stadt und Deutscher Telekom gegeben hätte anstatt zweier organisatorisch getrennter Projektbüros mit einer manchmal komplizierten Entscheidungs- und Abstimmungsstruktur. Zudem finden sich im Gemeinwesen einer Stadt nicht für alle der bearbeiteten Themen formale Zuständigkeiten. Die Überwindung der meisten operativen Erschwernisse kann als eine weitere Erfolgskomponente verbucht werden.

Nicht in allen Projektfeldern ließen sich trotz großem Engagement der Partner Erfolge erzielen, da eine Umsetzung von einigen Themen mit Partnern aus der Stadt nur begrenzt möglich ist. Dies gilt z.B. für den Bereich der schulischen Bildung, für die das Land erster Ansprechpartner ist, aber auch für Projekte im Gesundheitswesen, die erst Eingang in den Leistungskatalog der Krankenkassen finden müssen. Obwohl einige Projekte die Testphase nicht überlebt haben, was für ein mutiges Innovationsprojekt nicht ungewöhnlich ist, ist die Bilanz der erfolgreichen Einzelprojekte beeindruckend.

Smart-City Anwendungen müssen koordiniert werden

Eines ist der Mehrzahl der Projekte allerdings gemeinsam: sie strahlen kaum aus auf die anderen Projektfelder oder gar auf das Gemeinwesen der Stadt. Tatsächlich hätten die meisten Projekte in völlig getrennten Kommunen realisiert werden können. Innovationsgrad und Nutzen werden sicher bei der Mehrzahl der Projekte (wie z.B. Smart-Grid, Smart-Metering, Tumorkonferenz, die mobile Visite, das Bürgertelefon D115, die Prozessoptimierung in der Verwaltung) zu einer nachhaltigen Wirkung führen. Der hohe Aufwand der projektbegleitend durchgeführten Informationsveranstaltungen und Zielgruppenmaßnahmen ist dagegen nur bedingt erfolgreich gewesen. Von den zahlreichen Zielgruppenmaßnahmen hat nur das während der Projektlaufzeit geschaffene Senioren-Internethelfer-Netzwerk das Potential, sich über das Projektende hinaus zu verselbständigen. Längerfristige Wirkung werden wohl auch die in allen Schul-Klassen durchgeführten Medienkompetenz-Seminare entfalten.

Ein umfassender Erfolg wird durch den „Konstruktionsfehler“ verhindert, dass das Projekt zu Beginn nicht  auf einer Bewegung in der Bevölkerung aufzusetzen konnte. Auch ist es nicht gelungen, dass das Projekt von der Bevölkerung für die Stadt mit eigenen Initiativen und Projektideen „übernommen“ wurde. Einzelne technische Lösungen schaffen selbst bei hohem Innovationsgrad nur für begrenzte Zielgruppen einen Nutzen. Um eine breite Bewegung zu begründen, scheint  mehr erforderlich als die Summe begrenzter Einzelnutzen. Zusätzlich hat die Mutmaßung der Bevölkerung, es mit einer Werbe- oder gar Verkaufskampagne der Telekom zu tun zu haben, die Projektwahrnehmung behindert. Auch der durchgehend technische Ansatz hat den Fokus eingeengt. Für das Gelingen eines umfassenden Smart-City-Projektes hätte es vielleicht neben der Deutschen Telekom weiterer Projektträger ohne oder mit anderem Technikansatz bedurft.

Stimulation von bürgerschaftlichem Engagement ist notwendig

Bürgerbeteiligungs-Projekte (klassisch oder online) als vorlaufende und begleitende Maßnahmen hätten vielleicht die erforderliche „Bewegung“ in der Bevölkerung geschaffen. Dabei sollte e-Participation nicht mit komplexen und vorbelasteten Themen wie dem städtischen Haushalt begonnen und zudem regelmäßig „geübt“ werden. Wenn die Themen für eine ausreichende Zahl von Bürgern relevant sind und die Ergebnisse bei der anschließenden Entscheidungsfindung für die Umsetzung berücksichtigt werden, ergeben sich häufig vielversprechende Ansätze. Leider konnte während der Projektlaufzeit kein e-Participation Projekt in Friedrichshafen aufgesetzt werden, vermutlich weil Politik und Verwaltung Befürchtungen bezüglich möglicher Forderungen und Wünsche der Bürger hatten und sich für die Durchführung organisatorisch noch nicht aufgestellt wähnten! Dabei könnte die Durchführung gerade durch moderne Kommunikationstechnik effizient und transparent gestaltet werden. Als Ergebnisse stünden Ideen für Innovationsvorhaben, die die Chance auf eine bessere Breitenwirkung und Strahlkraft haben. Es wäre es wert, einen neuen Versuch zu wagen und die Erkenntnisse aus dem T-City Projekt für ein neues Smart-City Vorhaben zu nutzen!

Jürgen Kaack 14.10.2012, 21.42 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Aufbau von Glasfaser-Anschlussnetzen im Kreis Heinsberg

Breitband als ein wesentlicher Teil der Infrastruktur und ein wichtiges Element zur Steigerung der Standort-Attraktivität ist für die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg schon seit einigen Jahren ein wichtiges Thema. Seit knapp einem Jahr hat Dr. Kaack von der STZ-Consulting Group die Kreiswirtschaftsförderung im Kreis Heinsberg beratend auf dem manchmal steinigen Weg zu FttB (Fiber-to-the-Building) in der Fläche begleitet. Die heutige Versorgung im Kreis ist recht heterogen und erst mit Glasfaser-Anschlüssen kann der Nutzer entscheiden, welche Bandbreite er braucht und muss nicht mit den Beschränkungen durch die Netzbetreibern leben. Somit steht zukünftig beim Abschluss eines Vertrages mit einem Breitband-Anbieter nicht mehr die verfügbare Bandbreite im Vordergrund, sondern die benötigten Anwendungen (Dienste). 


Im ersten Schritt hat STZ-Consulting die tatsächliche Versorgungslage getrennt für Wohn- und Gewerbegebiete anhand der Informationen der Netzbetreiber analysiert. STZ-Consulting eine Einteilung in gut versorgte (d.h. solche mit vorhandenem Infrastrukturwettbewerb und mindestens 16 MBit/s), schwach versorgte und unterversorgte Gebiete (beide ohne Wettbewerb in der Infrastruktur) vorgenommen. Im Kreis sind im Rahmen der Analysegenauigkeit ca. 40% der Anschlüsse mit bis zu 150 MBit/s und "funktionierendem" Wettbewerb so versorgt, dass Aktivitäten der öffentlichen Hand nicht erforderlich sind. 15% der Anschlüsse sind unterversorgt und ca. 45% schwach versorgt. Die ländliche Struktur im Kreis mit geringer Besiedlungsdichte und wenigen Wohneinheiten pro Anschluss (nur ca. 1,3 Wohneinheiten pro Anschluss) machen einen "klassischen" VDSL-Ausbau nicht nur teuer sondern auch im Hinblick auf die erzielbare Bandbreite oft wenig effizient.

Auf der Basis der Analyse wurden Geschäftsmodelle zur Umsetzung entwickelt und geprüft. Nach mehreren Gesprächs-Runden mit den Bürgermeistern der Kommunen und den Energieversorgern hat sich ein umsetzbares Modell ergeben für einen NGA-Ausbau mit Glasfaser-Hausanschlüssen, bei dem der Kreis zunächst einen Masterplan im Sinne einer Grob-Netzplanung für die nicht ausreichend versorgten Gebiete beauftragt und dann Kreis und Kommunen gemeinsam über einen längeren Zeitraum passive Anschlussnetze errichten und die Energieversorger fehlende Strecken im Zuführungsnetz ergänzen. Zur Schonung von Investitionsmitteln sollten Sanierungsmaßnahmen und andere Tiefbauprojekte genutzt werden für eine Verlegung im Beilauf. Aufgrund der Breitband-Aktivitäten der letzten Jahren besteht ein fast geschlossener regionaler Backbonering, der zur Zuführung der Bandbreite zu den zu errichtenden Anschlussnetzen genutzt werden kann. Über die über die Zeit fortlaufende Schaffung von einzelnen FttB-Inseln (z.B. einzelne Ortschaften, Statdteile oder Gewerbegebiete) soll der erzielbare Erfolg belegt werden und der Anreiz zum weiteren Ausbau aufrechterhalten bleiben.

 

Durch die Aktivitäten der Kreiswirtschaftsförderung ist ein holländischer Investor mit einschlägigen Erfahrungen in den Niederlanden auf den Kreis aufmerksam geworden und hat den Ausbau des passiven Netzes als privatwirtschaftliches Investitionsvorhaben ganz ohne Zuwendung aus öffentlichen Kassen angeboten. Nach einer Reihe von Vorklärungen und Abstimmungen mit den Bürgermeistern und den Energieversorgern ist in der vergangenen Woche das Vorhaben in einem Pressetermin veröffentlicht worden. Informationen finden sich z.B. hier:

http://www.rp-online.de/niederrhein-sued/kreis-heinsberg/nachrichten/schnelles-internet-fuer-den-kreis-1.3010959

http://www.aachener-zeitung.de/lokales/heinsberg-detail-az/2765950/Beginnt-in-der-Region-Heinsberg-ein-neues-Internet-Zeitalter

und auch recht prominent auf der Seite der Kreiswirtschaftsförderung:

http://www.wfg-heinsberg.de/publish/de/aktuelles/news/meldungen_einzelansicht.html?Meldungen_ID=606

 

Für den Bau und den Betrieb der passiven Infrastruktur wurde von dem holländischen Investor eine deutsche Gesellschaft gegründet, deren Internet-Auftritt noch recht mager ist, aber immerhin schon einige Aussagen enthält:

http://www.deutsche-glasfaser-hs.de/

Die Gesellschaft ist ein Schwesterunternehmen der Bornet im Kreis Borken, die unter dem gemeinsamen Holdingdach der Deutschen Glasfaser GmbH gebündelt werden:
http://www.deutsche-glasfaser.de/de

Damit die passive Infrastruktur nicht ungenutzt und Leerrohre "leer" bleiben, müssen Netzbetreiber als Partner gewonnen werden. Zur Vermeidung einer vollständigen Abhängigkeit hat die Deutsche Glasfaser mit "Flink" einen eigenen Betreiber zur Vermarktung gegründet. Weitere bereits benannte Partner sind der Netzbetreiber NetAachen und der Energieversorger NEW, der bereits früher  Aktivitäten im Telekommunikationsbereich gemacht hat. Der Infrastruktrurbetreiber ist offen für weitere Netzbetreiber und es bleibt abzuwarten, ob auch die großen Anbieter auf den Zug aufspringen.

 

Eine weitere Hürde ist vor einer erfolgreichen Umsetzung noch zu nehmen mit der aus Wirtschaftlichkeitsaspekten benötigten Vorvertragsquote von 40%. Die Deutsche Glasfaser plant hierfür eine breite Informations- und PR-Aktivität, aber ohne eine aktive Rolle von Kreis und Kommunen kann dies nicht gelingen. Durch die Bürgermeister ist eine weitgehende Unterstützung zu erwarten, da sie die Bedeutung einer nachhaltigen Breitbandinfrastruktur als Standortvorteil für ihre Kommunen erkannt haben. Der Beitrag von Herrn Fiedler, dem Bürgermeister von Geilenkirchen, zeigt die ersten Schritte hierfür:

http://buergermeister-geilenkirchen.blogspot.de/2012/09/was-lange-wahrt-wird-endlich-gut.html

 

Der Ausbau des Netzes wird aus Kapazitätsgründen in Schritten erfolgen. Erste Ausbaugebiete in Form von einzelnen Ortsteilen wurden bereits identifiziert (zu finden auf der Hompage der Deutschen Glasfaser HS). Zeitgleich werden regionale Unternehmen und Organisationen gesucht, die (ganz nach holländischem Vorbild) als Dienstebetreiber eine zusätzliche Differenzierung im Wettbewerb ermöglichen. Für regionale Breitbanddienste gibt es viele Möglichkeiten aus den Bereich Medizin, Bildung und Fortbildung, Sport und Kultur, aber auch durchaus rein kommerzielle Anwendungen (z.B. im Bereich Home-Automation, Energiesteuerung oder Cloud-Computing). Somit kann das Projekt nach dem Ausbau der Infrastruktur auch für die Weiterentwicklung zur Smart City oder zu mehreren Smart Cities im Kreis Heinsberg beitragen.

 

Die weitere Entwicklung desd Vorhabens bleibt abzuwarten, aber wenn dieses "Experiment" gelingt, bildet es eine geeignete Blaupause für weitere kreisweite Glasfaser-Projekte - und vielleicht können auch andere Investoren für NGA-Vorhaben gewonnen werden, die bislang mit Gewerbeimmobilien Geld verdient haben. Mit dem Vorhaben kann laut Dr. Kaack auf jeden Fall das immer wieder zu hörende Vorurteil: "Glasfasernetze kann man nur in Ballungsgebieten wirtschaftlich betreiben", ad acta gelegt werden Er hat auch in den letzten Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass Glasfasernetze gerade für den Ausbau in ländlichen Regionen geeignet sind, da keine aktiven Netzkomponenten zwischen Knoiten und Hausanschluss benötigt werden und die Streckenlänge keine Rolle spielt.


Viele Kreise sind in ihren Überlegungen noch nicht bei NGA-Plänen "angekommen" und stecken tief in Fragestrellungen zur Grundversorgung mit mindestens 2 MBit/s. Auch für diese noch passsiven Kreise sieht Dr. Kaack das Vorgehen im Kreis Heinsberg als Beispiel - einerlei ob das Vorhaben im ersten Anlauf erfolgreich wird oder erst nach einigen Anpassungen. Es werden aber wohl selbst bei weiterer Multiplikationswirkung durch den Kreis Heinsberg immer noch etliche Regionen imländlichen Raum übrigbleiben, in denen kein Stadtwerk oder Energieversorger den Netzausbau übernimmt und auch kein privater Investor gefunden werden kann. Diese Regionen sind neben eigener Aktivitäten auf tatkräftige Unterstützung des Bundes oder der Länder angewiesen! 

 

Jürgen Kaack 30.09.2012, 15.17 | (2/0) Kommentare (RSS) | TB | PL

Deutschland bei IKT auf Platz 13

Die ITU als internationale Institution zur Standardisierung analysiert regelmäßig die Entwicklung der Durchdringung und Nutzung von Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT) und ihren Anwendungen. Da dies ein komplexes Feld ist, hat die ITU einen Index entwickelt, der einen Vergleich der Länder ermöglicht. In den Index gehen drei Komponenten ein:

  • die Versorgung mit IKT-Anschlüssen und Diensten in Form von Festnetz- und, Mobilfunkanschlüssen, die verfügbare Bandbreite für die Internetnutzung und die Verfügbarkeit von Computern (z.B. gemessen an der Penetration
  • die Nutzungsintensität bei Telefonie, Mobilfunk und Internetnutzung
  • die Erfahrung der Nutzer für die Nutzung von Geräten und Diensten sowie die Effizienz der IKT-Nutzung


Die umfassende Berücksichtigung der verschiedenen Parameter gleicht unterschiedliche Entwicklungsstufen und Nutzungs-Vorlieben aus. So bekommt der Index trotz des generellen Nachteils von hoch-aggregierten Kennzahlen eine relevante Aussagekraft.

Die neueste Bewertung für 2007 zeigt, dass die skandinavischen Länder wieder an der Spitze rangieren, was an sich wenig erstaunlich ist. Zur Spitzengruppe gehören aber auch Korea, Großbritannien und die Schweiz. Deutschland liegt auf Platz 13 und damit u.a. vor Österreich, Frankreich, den USA und Kanada. Im Vergleich zur Bewertung von 2002 hat Deutschland einen Platz gut gemacht. Bemerkenswert ist die Entwicklung von China auch im IKT-Bereich mit einer Verbesserung um ganze 17 Plätze, bislang allerdings immer noch auf Platz 73. Steigerungen in ähnlich hohem Maße werden in einigen arabischen Staaten registriert, z.B. Saudi-Arabien um 18 Plätze (auf Platz 55). Auch Iran und Syrien haben sich um respektable 14 bzw. 13 Plätze verbessert.

Bei der Analyse der drei Komponenten zeigen sich interessante Unterschiede zwischen den Ländern. Bei den Ländern der Top10-Gruppe gibt es trotz hoher Durchdringung und intensiver Nutzung eine weitere Verbesserung insbesondere im Bereich der Nutzungseffizienz, aber auch bei der Nutzung von Internetdiensten. Deutschland weist ein Profil mit vergleichsweise guter Versorgung mit Anschlüssen und Geräten auf bei eher unterdurchschnittlicher Erfahrung und Nutzungseffizienz. Wenig verwunderlich ist, dass es nach wie vor einen erheblichen Unterschied zwischen den entwickelten Ländern, Schwellenländern und Entwicklungsländern gibt.

Die Analyse der IKT-Kennwerte bringt dann einen wirklichen Nutzen, wenn für die Weiterentwicklung die richtigen Schlüsse gezogen werden. In Deutschland ist die Durchdringung mit Telefon- und Mobilfunkanschlüssen auf einem hohen Niveau. Auch die verfügbare Bandbreite ist im Durchschnitt gut, insbesondere in den Ballungsgebieten. Daher findet sich Deutschland bei der ICT-Komponente „Versorgung“ sogar unter den Top10 aller Länder (2002 lag Deutschland noch auf Platz 12).

Für die weitere Entwicklung ist die noch vorhandene Spaltung zwischen Ballungs- und ländlichen Gebieten bedenklich, da Einwohner und Unternehmer im ländlichen Raum im Hinblick auf die Breitbandversorgung oft noch benachteiligt sind. Daneben fehlt in Deutschland ein Masterplan, der die Migration von der heute ausreichenden Versorgung zielgerichtet zu einer zukünftig notwendig Glasfaserversorgung bis in die Wohnung (Fiber-to-the-Home) aufzeigt. Zwar wird die Notwendigkeit für Bandbreiten von über 100 MBit/s für Standarddienste erst in 10 oder 15 Jahren in der Breite entstehen. Heute gibt es – außer für ausgewählte Unternehmenslösungen – keine Dienste, die eine solche Bandbreite überhaupt benötigen. Selbst hochauflösendes (HD)-Fernsehen ist mit unter 30 MBit/s realisierbar und dies ist derzeit die Anwendung mit dem derzeit höchsten Bandbreitenbedarf.

Unbestritten ist aber, dass der Bandbreiten-Bedarf laufend steigt und neue Anwendungen entwickelt werden, so dass es zu einer flächendeckenden Glasfaserversorgung bis zum Haushalt längerfristig keine Alternative gibt. Wenn nicht heute gezielt auf den Aufbau einer flächendeckenden Glasfaser-Versorgung hingewirkt wird, kann sich der Aufbau später als unverhältnismäßig teuer erweisen. Von alleine wird der notwendige Masterplan allerdings nicht entstehen und auch die Netzbetreiber werden diesen Plan nicht aus eigener Kraft aufstellen, da sie als Aktien-notierte Wirtschaftsunternehmen kürzere Amortisationszeiten brauchen. In einer Kooperation zwischen Netzbetreibern, Kreisen und Kommunen sowie Versorgungsunternehmen lassen sich allerdings durchaus tragfähige Geschäftsmodelle vorstellen.

Neben dem Masterplan für den Ausbau der Breitband-Infrastruktur sollten in Deutschland Maßnahmen im Hinblick auf Verbesserung bei der Effizienz der IKT-Nutzung ergriffen werden. Dies beginnt bei der konsequenten Nutzung von IKT im Bildungssystem und bezieht die Förderung der Anwendungs-Entwicklung ebenso mit ein wie die Realisierung von Smart-City Lösungen. Bei den ICT-Kennzahlen drückt sich dies in einem Platz 20 bei der Nutzungsintensität und Platz 38 bei Erfahrungen und Effizienz aus. Bei beiden Kennwerten hat sich Deutschland relativ zu den anderen Ländern verschlechtert gegenüber 2002. Diese Kennzahlen sollten natürlich nicht überbewertet werden, aber sie zeigen doch Trends und Entwicklungsphasen auf.

Es gibt eine Reihe von Feldern, in denen die Entwicklung von Breitband-Anwendungen sinnvoll vorangetrieben werden kann. Dies betrifft sicher das Bildungssegment, das Ansätze für Verbesserungen der Lernerfolge unter Einsatz von IKT bietet. Gleichermaßen gilt es aber auch für den Gesundheitsbereich, in dem mit Hilfe von Telemedizin sicherlich Kosten ein zu sparen sind. Im Energiesektor steht die intensivere Nutzung von IKT-Lösungen noch aus, aber Begriffe wie „Internet-der-Energie“ und „Smart-Grid“ zeigen auf, dass hier Entwicklungen zu erwarten sind, die weit über einen intelligenten Stromzähler im Haushalt hinausgehen. Elektromobilität ohne eine intelligente Verteilung und Abrechnung ist kaum vorstellbar.

Im Bereich eGovernment sind Breitband-Dienste möglich, die sowohl die Effizienz bei der Erledigung erhöhen als auch die Interaktion zwischen Unternehmern, Bürgern und der Verwaltung erleichtern. Im Bereich der Mobilität bieten sich ebenfalls viele Ansätze zur Nutzung von IKT. Beginnend mit der Erfassung des Verkehrs über eine Kommunikation zwischen Fahrzeugen und mit der Straße bis hin zu einer gezielten Verkehrsleitung und dem Management der Schnittstellen zwischen verschiedenen Verkehrsträgern.

Jürgen Kaack 26.02.2010, 15.48 | (0/0) Kommentare | TB | PL

Nachfolge in der Projektleitung von T-City

Nach etwas längerer Diskussion wurde jetzt die Nachfolge in der Projektleitung von T-City Friedrichshafen geregelt. Ich war mit Auslaufen meines Interims-Management Vertrags nach zwei Jahren Anfang September aaus der Projektleitung ausgeschieden. Der Nachfolger wird einer der beiden Geschäftsführer der Technischen Werke Friedrichshafen (TWF), wie bei SZon berichtet wurde.

Die TWF ist bereits Partner bei drei wichtigen T-City-Projekten und ist daher mit den Abläufen und dem Vorgehen in der Private-Public-Partnership vertraut. Zu den Projekten gehört das zwischenzeitlich aufgrund der bislang ausgebliebenen Marktdurchdringung von NFC-Handys eingestellten eTicketing Projektes KatCard, das zukunftsweisende Smart-Metering Projekt, mit dem jetzt als Smart-Grid Lösung erstmals ein ganzer Stadtteil (mit Energiequellen und -senken) ausgestattet wird und demnächst Smart-Home Lösungen für die Hausautomation zusätzlichen Nutzen für den Bürger bringen wierden. Außerdem wirkt die TWF bereits als Partner bei dem überregional angelegten Vorhaben zur Entwicklung eines intelligenten Verkehrsleitsystems mit.

So sind die Voraussetzungen geschaffen, dass die zweite Projekthälfte erfolgreich in Angriff genommen wird. Sowohl mit den bereits in Vorbereitung befindlichen Projekten als auch mit neuen Projektideen und Projektpartnern kann der Weg in Richtung einer Smart-City weiter beschritten werden!
 

Jürgen Kaack 02.10.2009, 07.49 | (0/0) Kommentare | TB | PL